Gauck spricht sich für "kämpferische Toleranz" aus

Gauck spricht sich für "kämpferische Toleranz" aus

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hat sich für eine "kämpferische Toleranz" ausgesprochen. Streiten sei elementarer Bestandteil einer Demokratie und Toleranz "eine beglückende Tugend und ein Gebot politischer Vernunft", sagte er am Mittwochabend bei den Bruchsaler Schlossgesprächen.

Allerdings sei nicht alles mit Toleranz zu lösen. Das zeige gerade der Krieg in der Ukraine. Er forderte in dem Konflikt eine klare politische Abgrenzung von Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin habe der demokratischen Moderne die Feindschaft erklärt. "Wir müssen erkennen, dass zu der Welt, die wir mögen, etwas gehört, das wir nicht mögen: die Feindschaft", sagte der 82 Jahre alte evangelische Theologe.

Putins Konzept eines "Russland plus" sei darauf angelegt, andere Staaten anzugreifen. In diesem Konflikt gebe es bei der Frage der Schuld ausnahmsweise "schwarz und weiß". Deutschland müsse der Ukraine mit allen seinen Möglichkeiten helfen, "ob das uns Christen gefällt oder nicht", sagte Gauck.

Joachim Gauck war von 2012 bis 2017 der elfte deutsche Bundespräsident. In der DDR war er evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär. Die Bruchsaler Schlossgespräche sind eine Veranstaltungsreihe der Dr. Berthold-Moos Stiftung.