Meister fordert Unterstützung für Aktivisten

Landesbischof Ralf Meister auf der Synode in Magdeburg 2022

© epd-bild/Jens Schulze

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat in Magdeburg am Rande der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) vor Journalisten erneut Unterstützung seitens der Kirche für Klimaaktivisten gefordert.

VELKD berät über Klimagerechtigkeit
Meister fordert Unterstützung für Aktivisten
Die Lutheraner haben am Samstag ihre Beratungen mit Diskussionen über Klimaschutz fortgesetzt. Der Leitende Bischof wiederholte seinen Unterstützungsaufruf für Klimaprotestler. Kirche müsse Räume für die junge Generation mit ihren Anliegen bieten.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat erneut seitens der Kirche Unterstützung für Klimaaktivisten gefordert. "Wir schulden dieser Bewegung die moralische Unterstützung", sagte Meister am Samstag in Magdeburg am Rande der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) vor Journalisten. Das bedeute jedoch nicht, dass man alle Maßnahmen und Protestaktionen verteidigen müsse.

Am Samstag berieten die 50 Delegierten der VELKD in Präsenz auf einem Thementag über Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Der Präsident der Generalsynode, Matthias Kannengießer, sagte, es sei wichtig, dass die Synodalen sich wieder in Präsenz treffen könnten. Die Generalsynode könne dadurch ihre Arbeit noch effektiver aufnehmen. 2020 und 2021 hatten die Tagungen nur online stattfinden können.

Die Bischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, plädierte am Samstagvormittag bei der Diskussion im Plenum für einen Begriffswandel: "Wir sollten nicht von Klimakrise, sondern von einer humanitären Krise sprechen."

Meister sagte, wenn man die Phänomene einer Menschheitskrise sehe und die Stimme der jüngeren Generation höre, wisse man, dass sie das Recht für sich in Anspruch nehme, was auch andere Generationen für sich beansprucht hätten, als sie jung waren und Gewohnheiten des Systems radikal infrage stellten. Die junge Generation tue das heute wieder - in einer "radikalen Form der Anfrage, die adäquat ist zu den Herausforderungen, in der wir nicht nur als Gesellschaft, sondern als Menschheit stehen." Der Leitende Bischof der VELKD sagte, Vergleiche etwa von Aktivisten der "Letzten Generation" mit der linksterroristischen RAF seien nicht hilfreich. Sie leisteten einer möglichen Radikalisierung sogar Vorschub, betonte Meister.

Die Klimabewegung brauche auch Räume in der Kirche, forderte Melissa Streicher von der evangelischen Jugend der Nordkirche, wo sie als "Klima-Teamerin" in einem Projekt arbeitet. Es brauche auch mehr Begegnung auf Augenhöhe, sagte sie an die Kirchenleitenden gewandt. "Wir schaffen es nicht alleine", sagte sie in Bezug auf die gesellschaftlichen Herausforderungen durch den Klimawandel. "Wir sind eben nur ein Teil der Gesellschaft."

Die Aktivisten der "Letzten Generation" hatten zuletzt mit Verkehrsblockaden durch Festkleben am Asphalt, Attacken auf Kunstwerke und Fassaden von Parteizentralen Schlagzeilen gemacht.

Am Freitag hatte Meister in seinem Bericht vor der Generalsynode gesagt, er frage sich oft, warum die Kirche sich so schwer damit tue, der jüngeren Generation moralische Unterstützung zu gewähren. Der bayerische Landesbischof und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte als Antwort auf den Bericht, er halte die Aktionen der "Letzten Generation" für "komplett kontraproduktiv".

Mehr zu EKD-Synode 2022 in Magdeburg
Grünes Kreuz mit Pflanzen
Als einseitig und theologisch problematisch kritisiert der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) die Beschlüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Klimaschutz.
Klimaaktivisten, u.a. Nürnberger Jesuitenpater Jörg Alt auf der Straße
Berlins evangelischer Bischof Christian Stäblein hat die politisch Verantwortlichen zum Dialog mit der umstrittenen Klimaschutzgruppe "Letzte Generation" aufgerufen. Die Klimaschutzaktivisten seien keine Spinner und keine Chaoten.