Forschungsinstitut: 2022 werden 700.000 Wohnungen fehlen

Forschungsinstitut: 2022 werden 700.000 Wohnungen fehlen

Das Pestel-Institut in Hannover erwartet in diesem Jahr einen Mangel an mehr als 700.000 Wohnungen in Deutschland. Im vergangenen Jahr hätten 430.000 Wohnungen in Deutschland gefehlt, im Jahr 2020 seien es 540.000 Wohnungen gewesen, sagte der Institutsleiter Matthias Günther am Mittwoch in Kassel am Rand des Gewerkschaftstags der IG Bau.

Als Hauptursachen führte Günther an, dass in diesen Jahren die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge neue Haushalte gründeten, und dass die Zuwanderung einen hohen Wohnungsbedarf auslöse. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres war die Bevölkerung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um rund 840.000 Menschen gewachsen.

Dabei ist der Wohnungsbedarf nach Angaben des Pestel-Instituts regional unterschiedlich. Insbesondere in westdeutschen Bundesländern bestehe ein Mangel an Wohnungen. Einen Wohnungsüberhang hingegen gebe es vor allem in ostdeutschen Bundesländern und im Saarland. Das Pestel-Institut widmet sich der Forschung und Beratung in Themen wie Klimawandel, Widerstandsfähigkeit von Kommunen und Unternehmen sowie nachhaltige Entwicklung.

Der wiedergewählte Bundesvorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, forderte ein Programm zum Neubau von Wohnungen und zum Umbau von Gewerbe- zu Wohnimmobilien. Bund und Länder sollten außerdem mindestens 12,5 Milliarden Euro zum Bau von 100.000 Sozialwohnungen jährlich investieren. Der IG-Bau-Vorsitzende forderte zudem mehr Eingriffe vom Staat. Dieser habe das Recht, sich an börsennotierten Wohnunternehmen im Umfang von 25 Prozent und einer Aktie zu beteiligen und damit die strategische Ausrichtung mitzubestimmen. Dadurch würden "Renditen in weitere Investitionen für bezahlbaren Wohnraum" fließen.