Diakonie-Präsident: Wunsch nach assistiertem Suizid nicht tabuisieren

Diakonie-Präsident: Wunsch nach assistiertem Suizid nicht tabuisieren

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, hat sich dafür ausgesprochen, den Wunsch nach Hilfe zum Suizid nicht zu tabuisieren. Es sei wichtig, das Gespräch mit den Menschen zu suchen, die den Wunsch äußern, ihrem Leben ein Ende zu setzen, sagte er am Freitag bei einem Podium auf dem 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen am Ende doch noch einen Grund finden, auf dieser Welt weiterzuleben.

Es sei klar, dass niemand assistierten Suizid in diakonischen Einrichtungen zur Normalität machen wolle, sagte Lilie. Wichtig sei ihm auch, dass per Gesetz geregelt ist, dass keine Person und auch keine Einrichtung dazu gezwungen werden könne, gegen das eigene Gewissen bei solch einer Tat zu assistieren.

Es stelle sich aber die Frage, wie man mit solchen Menschen umgehe, die diesen Wunsch nach der Beendigung des eigenen Lebens auch nach einer Beratung weiter äußern. Er persönlich würde einen solchen Menschen weiter begleiten, ihm Gebet und Abendmahl anbieten und Angehörige seelsorgerlich betreuen. In einer Einrichtung würde er den Menschen weiterpflegen, aber sich als Einrichtung nicht an einem assistierten Suizid beteiligen, erklärte Lilie.

Andreas Lob-Hüdepohl, katholischer Theologe und Mitglied im Deutschen Ethikrat sagte, wichtiger als über die Assistenz bei Suizid zu reden, sei es, Menschen in suizidalen Krisen zu begleiten. "Darüber müssen wir in katholischen Einrichtungen reden." Durch eine palliative und seelsorgerliche Begleitung könne der Lebenswille gestärkt werden.

Die katholische Kirche solle jedoch auch Menschen beraten und begleiten, die einen Wunsch nach assistiertem Suizid haben, damit sie sich ihr eigenes Urteil bilden. Denn nur so hätten sie auch die Möglichkeit, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Das Verschaffen oder Übergeben eines Mittels, das den Tod herbeiführe, könne er sich dagegen nicht vorstellen.

Der Darmstadter Rabbiner Jehoschua Ahrens sagte, im Judentum gebe es den Grundsatz, dass assistierter Suizid nicht erlaubt sei. Irgendeine aktive Teilnahme an einem Suizid wäre religionsrechtlich nicht möglich in einer jüdischen Einrichtung, betonte der Theologe.

Der 102. Deutsche Katholikentag steht unter dem Motto "Leben teilen". Zu dem am Mittwochabend eröffneten Katholikentag haben sich laut Veranstalter rund 25.000 Menschen angemeldet. Das Christentreffen geht am Sonntag zu Ende.