Erstmals Ex-Guerillero Favorit bei Präsidentenwahlen in Kolumbien

Erstmals Ex-Guerillero Favorit bei Präsidentenwahlen in Kolumbien

In Kolumbien sind am Sonntag rund 38 Millionen Wählerinnen und Wähler aufgerufen, einen neuen Staatschef zu bestimmen. In allen Umfragen führt der linksgerichtete Politiker und Ex-Guerillero, Gustavo Petro, mit 35 bis 40 Prozent der Stimmen. Sein wichtigster Kontrahent ist der frühere Bürgermeister der Metropole Medellín, Federico "Fico" Gutiérrez. Der 47-Jährige tritt mit einem rechtsgerichteten Bündnis an und kommt den Umfragen zufolge auf 20 Prozent der Stimmen. Aufholen konnte auch der unabhängige Kandidat Rodolfo Hernández, der vor allem durch Populismus auffällt. Die Umfragen sehen ihn bei 19 Prozent. Aller Wahrscheinlichkeit nach erreicht keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit, so dass es am 19. Juni eine Stichwahl geben wird.

Gustavo Petro will mit seinem Diskurs gegen die bisher stets regierende Oberschicht des Landes und einem Programm zur Armutsbekämpfung bei den Wählerinnen und Wählern punkten. Er verspricht höhte Ausgaben für Bildung und Gesundheit, will den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft erhöhen und den Klimaschutz stärken. Der 62-Jährige ist früherer Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und derzeitiger Senator. Er kämpft zum dritten Mal um die Präsidentschaft. 2018 verlor er gegen den amtierenden konservativen Staatschef Iván Duque, der laut Verfassung nicht noch einmal antreten darf. Petros Kandidatin für die Vizepräsidentschaft ist die afro-kolumbianische Umweltaktivistin Francia Márquez, die vor allem Jungen, Minderheiten und Frauen eine Stimme geben möchte.

Der Konservative Gutiérrez schürt dagegen die Angst eines "sozialistischen Venezuelas", in das sich Kolumbien unter Petro verwandeln werde. Seine Anhänger finden sich vor allem in der städtischen Elite und bei Großgrundbesitzern.

Die Wahlen in dem politisch zerrissenen Land finden unter schärfsten Sicherheitsbestimmungen statt. Kriminelle Banden, paramilitärische Gruppierungen und Rebellen kämpfen in vielen Gebieten des Landes um Einkommen und die Vorherrschaft im Drogenhandel. 75 Menschenrechtsverteidiger und soziale Anführer wurden laut Friedensforschungsinstitut Indepaz in diesem Jahr bereits ermordet. Auch während des Wahlkampfes gab es zahlreiche Anschläge.