"Maria 2.0"-Mitbegründerin: Kirche muss sich "ihrer Macht entledigen"

"Maria 2.0"-Mitbegründerin: Kirche muss sich "ihrer Macht entledigen"
02.05.2022
epd
epd-Gespräch: Irene Dänzer-Vanotti

Köln (epd). Die Kölner Theologin Maria Mesrian will die katholische Kirche eigenen Worten zufolge wieder nach dem Vorbild von Jesus gestalten. Dazu schlägt die Mitbegründerin der katholischen Frauenbewegung „Maria 2.0“ unter anderem vor, Kirchengebäude als sogenannte konsumfreie Räume etwa für Bedürftige oder Betroffene von sexuellen Übergriffen oder Machtmissbrauch des katholischen Klerus zu nutzen. Die Räume sollten „Aufwärmorte für die Heimatlosen, Gemeinschaftsorte für die Einsamen, Vertrauensorte für die Enttäuschten“ werden, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Köln.

Kirchen sollten etwa für Versammlungen oder die Verteilung von Essen offen stehe. Die Kirchenräume seien zu gut und zu nützlich, um sie nur sonntags für wenige Besucher der Gottesdienste zu beleben.

Mesrian forderte, die katholische Kirche müsse sich sichtbar „ihrer Macht entledigen“ und vor allem Frauen an allen Strukturen beteiligen. Die Theologin kritisierte die „Naivität“ des Klerus, der glaube, sich weiterhin eine Kirche ohne Frauen leisten zu können: „Wenn Frauen fehlen, fällt die Kirche in sich zusammen.“

Mesrians gemeinsam mit der Künstlerin Lisa Kötter verfasstes Buch „Entmachtet die Kirche und gebt sie den Menschen zurück“ ist am Montag erschienen. Darin beklagen die Autorinnen, die Kirche habe „an vielen Stellen den einst fruchtbaren Nährboden der guten Botschaft Jesu mit der Hitze ihrer Macht ausgetrocknet“. Mesrian und Kötter werfen der katholischen Kirche Versagen auf den Gebieten vor, die christliche Grundlagen sind: Liebe, Gemeinschaft, Freiheit und Gerechtigkeit.