Umweltverbände: Atomkraft taugt nicht zur Lösung der Klimakrise

Umweltverbände: Atomkraft taugt nicht zur Lösung der Klimakrise
Zu teuer, zu gefährlich: Atomkraft hat laut dem Uranatlas 2022 ausgedient und taugt auch nicht als Klimaretter. Zudem sei Europa auch beim Uran abhängig von Russland und anderen autoritären Staaten.

Umweltverbände, Stiftungen und Anti-Atomkraft-Organisationen haben vor einer Renaissance der Atomenergie gewarnt. Atomkraft trage nichts zur Lösung der Klimakrise bei, sagte der geschäftsführende Vorstand der Nuclear Free Future Foundation (NFFF), Horst Hamm, bei der Vorstellung des Uranatlas 2022 am Donnerstag in Berlin. Der zum zweiten Mal nach 2019 erschienene Uranatlas räume mit der Legende auf, Atomkraft sei klimafreundlich. Der Atlas enthält zahlreiche Daten zur Atomenergie.

Der Bau neuer Atomkraftwerke sei zu teuer und viel zu langsam, um künftig etwas für den Klimaschutz bewirken zu können, sagte Hamm. Der Abbau von Uran zerstöre überall die Lebensgrundlagen der dort lebenden Menschen. Zurück blieben radioaktive und toxische Halden, um die sich kaum jemand kümmere. Zudem werde Uran zum großen Teil in autoritären Staaten wie Russland, Kasachstan und China abgebaut.

Unabhängig von allen Risiken und Gefahren sei die Kernenergie inzwischen gegenüber erneuerbaren Energien auch nicht mehr konkurrenzfähig, hieß es weiter. Während eine Kilowattstunde mit neuen Sonnenkraftwerken in Süddeutschland heute für rund drei Cent erzeugt werden könne und mit Windrädern in Norddeutschland für knapp unter vier Cent, koste die Kilowattstunde Atomstrom in Deutschland durchschnittlich 13,5 Cent, sagte Heinz Smital von Greenpeace. Wenn man sonnenreiche Länder in den Vergleich einbeziehe, werde es noch günstiger. So ist laut Smital in Saudi-Arabien ein 600-Megawatt-Solar-Projekt ans Netz gegangen, das die Kilowattstunde bereits für 1,04 US-Cent erzeuge.

Investitionen in den Neubau von Atommeilern würden immer teurer und zu einem wirtschaftlichen Abenteuer. Jeder achte Neubau der Nukleargeschichte sei vor seiner Inbetriebnahme aufgegeben worden, heißt es. In den USA seien zuletzt sechs Reaktoren aus Kostengründen vorzeitig stillgelegt worden.

Gewarnt wird im Uranatlas auch vor einer zu großen Abhängigkeit Europas von Russland. Etwa 40 Prozent der europäischen Uran-Importe stammten aus Russland und dem mit Russland verbündeten Kasachstan. Das betreffe auch die noch laufenden deutschen Atomkraftwerke.

Der russische Staatskonzern Rosatom sei über seine Beteiligungen an Uranminen in Kanada, den USA und vor allem Kasachstan der zweitgrößte Uranproduzent der Welt, sagte die Referentin für Atom- und Energiepolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Angela Wolff. Osteuropäische Staaten seien besonders stark auf russische Brennelemente angewiesen. So könnten 18 Reaktoren in Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Bulgarien und in Finnland nur mit russischen Brennelementen betrieben werden.

Der Uranatlas informiert über Nutzen und Gefahren der Atomenergie, von der Uranförderung bis zum Umgang mit dem Atommüll. Herausgeber sind neben der Nuclear Free Future Foundation die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung, der BUND, Greenpeace und die Anti-Atomkraft-Organisation "ausgestrahlt".