Sozialethiker: Rechte Christen instrumentalisieren Theologie

Sozialethiker: Rechte Christen instrumentalisieren Theologie

Der Münsteraner Theologe Arnulf von Scheliha hat vor einer Instrumentalisierung von Theologie durch rechte Christen gewarnt. Diese propagierten ein klassisches Ehe- und Familienverständnis, eine ständische Gliederung der Gesellschaft und eine feste Einteilung der Menschen in unterschiedliche Völker als von Gott gefügt und damit unveränderlich, erklärte der Sozialethiker vom Exzellenzcluster Religion und Politik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am Dienstag. Migration gelte als Verstoß gegen die Schöpfungsordnung, sagte der Theologe, der gemeinsam mit weiteren Autoren das Buch "Christentum von rechts. Theologische Erkundungen und Kritik" veröffentlicht hat.

Die Vertreter der Neuen Rechten konstruierten Traditionslinien bis hin zu Martin Luther, der aber einseitig verstanden werde, kritisierte Scheliha. Eine Schlüsselrolle spiele das Denken nationalkonservativer Theologen wie Emanuel Hirsch (1888-1972) und Paul Althaus (1888-1966), die in der Weimarer Republik eine verhängnisvolle Rolle gespielt und dazu beigetragen hätten, dem Nationalsozialismus den Boden zu bereiten. "Diese Rezeption ist alarmierend und darf, auch am bevorstehenden Gedenktag für NS-Opfer am 27. Januar, nicht unwidersprochen bleiben", mahnte Scheliha.

Der Islam gelte Neurechten als Feind des christlichen Abendlandes, sagte der Theologe. Menschenrechte wurden zugunsten einer nationalistischen Staatsidee in Frage gestellt: "Dadurch entstehen krasse Feindbilder", warnte der Sozialethiker.

Der Wissenschaftler beobachtet zudem eine Koalition von katholischen und evangelischen Neurechten, die sich aus Kritik an der Moderne und Islamophobie speise. Rechte Katholiken lehnten etwa das Zweite Vatikanische Konzil ab, das in den 1960er Jahren die katholische Kirche modernisierte, und befürworteten die lateinische Messe. Die evangelischen Christen stützten sich auf die konservative Seite Martin Luthers.