Missbrauchs-Experte Zollner fordert personelle Konsequenzen

Missbrauchs-Experte Zollner fordert personelle Konsequenzen

Der katholische Theologe und vatikanische Kinderschutz-Experte, Hans Zollner, hofft nach den Vertuschungs-Vorwürfen gegen Benedikt XVI. in einem unabhängigen Missbrauchsgutachten auf eine Entschuldigung des emeritierten Papstes. Er hoffe, dass Papst Benedikt zu den Vorwürfen Stellung nehmen werde. "Und wenn es so ist, wie vermutet wird, und wie auch die Anwaltskanzlei mit diesem Grad von Wahrscheinlichkeit so formuliert hat, dass er sich dann auch entschuldigt", sagte Zollner dem Radiosender Bayern 2 am Samstag. Das sei auch im Sinne derer, die das Lebenswerk Benedikts nicht durch so eine Äußerung gefährdet sehen wollten.

Der "Welt am Sonntag" sagte Zollner, die Übernahme persönlicher Verantwortung sei offensichtlich sehr schwer. "Das hat mit der Überidentifizierung mit der Institution und mit einem einseitigen Kirchenbild zu tun: als ob alles nach außen hin makellos sein müsste."

Der gebürtige Regensburger ist Jesuitenpater und Psychologe und gilt als einer der führenden Missbrauchs-Experten in der katholischen Kirche. Er ist unter anderem Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. Zollner leitet das "Safeguarding Institut" an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Die unabhängigen Gutachter der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl haben Hinweise auf mindestens 497 Betroffene sexualisierter Gewalt und 235 Täter zwischen 1945 und 2019 gefunden. Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. wiesen die Gutachter in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising von 1977 bis 1982 Verfehlungen in vier Fällen nach. Sie werfen ihm vor, Priester, von denen Missbrauchstaten bekannt waren, im Gemeindedienst belassen zu haben. Der 94-Jährige bestreitet die Vorwürfe in einer dem Gutachten beigefügten Stellungnahme. Sein Privatsekretär Bischof Georg Gänswein hatte am Donnerstag mitgeteilt, Benedikt werde das Gutachten in den kommenden Tagen lesen. In Auftrag gegeben hatte das Gutachten das Erzbistum München und Freising.