Omikron-Welle: Kliniken verzeichnen mehr Patientenaufnahmen

Omikron-Welle: Kliniken verzeichnen mehr Patientenaufnahmen
Lauterbach warnt vor "schweren Wochen"
Die Omikron-Welle führt zu immer neuen Rekordinzidenzen. Auf den Intensivstationen macht sich die Corona-Virusvariante noch nicht bemerkbar - auf den Normalstationen der Kliniken sieht es mancherorts aber schon anders aus.

Die Klinken spüren laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft bereits erste Auswirkungen der Omikron-Welle durch mehr Patientenaufnahmen mit Covid-Erkrankungen auf den Normalstationen. "Wir sehen diesen Anstieg auf den Normalstationen bereits in manchen Regionen, so zum Beispiel in Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein", sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). Auf den Intensivstationen macht sich die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante laut Fachmedizinern indes noch nicht bemerkbar. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte jedoch davor, sich deshalb in Sicherheit zu wiegen.

Am Sonntag meldete das Robert Koch-Institut einen Rekordwert bei der Sieben-Tage-Inzidenz: Demnach lag die Zahl der Corona-Neuansteckungen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche bei 515,7. Gemeldet wurden 52.504 Neu-Infektionen innerhalb eines Tages, wobei am Wochenende stets weniger Fälle erfasst werden als unter der Woche.

Laut Gaß bereiten sich die Kliniken bundesweit intensiv auf die Welle der neuen Virus-Variante vor. "Wenn die Modelle sich bewahrheiten und wir schon sehr bald mit mehr als 100.000 Infizierten pro Tag rechnen müssen, werden auch weiterhin viele Patienten im Krankenhaus versorgt werden müssen", sagte Gaß. Im Unterschied zu vorangegangenen Wellen würden Patienten in den kommenden Wochen aber wohl vermehrt in den Normalstationen ankommen, da die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs bei Omikron geringer sei, erklärte er.

Die Intensivmediziner sehen tatsächlich noch keine Auswirkung der Omikron-Welle auf die Intensivstationen. "In puncto Covid-19-Patienten können wir zum Glück weiterhin rückläufige Zahlen vermelden", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag). Donnerstag sei man wieder unter die Marke von 3.000 Covid-Patienten gefallen. Weiter stark steigende Infektionszahlen könnten aber wieder zu Problemen führen.

Gesundheitsminister Lauterbach warnte in der "Bild am Sonntag" davor, die Bedrohung zu unterschätzen: "Wir dürfen uns mit Blick auf die aktuell sinkenden Krankenhauszahlen insbesondere auf den Intensivstationen nicht in Sicherheit wiegen." Momentan erkrankten vor allem die Jüngeren, die viele Kontakte hätten. Das werde sich ändern. "Wenn sich bald auch die Älteren infizieren, wird die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen." Da könne es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es könne zur Schließung ganzer Abteilung kommen.

"Uns drohen in Deutschland sehr schwere Wochen", sagte Lauterbach. "Eine Durchseuchung bedeutet, dass Hunderttausende schwer krank werden und wir wieder viele Tausend Corona-Tote beklagen müssen." Im internationalen Vergleich habe Deutschland eine relativ alte Bevölkerung mit vielen chronisch Kranken. "In Kombination mit der niedrigen Impfbereitschaft ist das brandgefährlich."

Der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sprach sich dafür aus, Daten über Corona-Infizierte auch auf den Normalstationen der Krankenhäuser zu erheben. "Wir brauchen endlich ein Monitoring, das wie das Intensivregister zuverlässig die mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erfasst", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). Auf den Normalstationen könne die Lage dramatisch werden, "wenn die Fallzahlen weiterhin so durch die Decke gehen".