Edenhofer: "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten"

Edenhofer: "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten"

Eine nachhaltige Wirtschaft wird in Zukunft nach Ansicht des Chefökonomen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, günstiger als das Leben mit dem ungebremsten Klimawandel. "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten, sofern alle mitmachen", sagte der Wissenschaftler der Wochenzeitung "Die Zeit".

Viele wollten jedoch eine andere Rechnung aufmachen, wonach das grüne Leben selbst ohne Klimawandel günstiger sei als das jetzige. Daran habe er Zweifel. Es seien schon die Gefahren einer sich zuspitzenden Klimakrise, die mutiges Gegensteuern nötig machten. "Ohne Klimawandel würden wir sicher nicht so stark auf erneuerbare Energien, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe setzen, und sicherlich würden wir keine Technologien entwickeln, um CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen", sagte er.

In Zukunft würden Ressourcen knapper, sagte der Klimaökonom. "Viele Leute denken, wenn wir hundert Prozent erneuerbare Energie haben, dann ist alles schon geschafft." Das stimme aber nicht. "Wir müssen die Industrie vom CO2 wegbringen, wir müssen beispielsweise Stahl und Beton grün machen, wir brauchen neue Materialien in der Bauwirtschaft." Edenhofer kündigte an, dass man die Klimaneutralität an dieser Stelle spüren werde, weil sie viel grüne Energie verschlingen werde. "Es wird nie wieder so billig wie heute. Das ist auch nicht schlimm, weil wir uns durch Innovation anpassen können. Das ist eine Stärke der Marktwirtschaft", betonte der Ökonom.

Auch die Konsumenten müssten die Kosten tragen: "Wir werden Energie sparsamer nutzen und in den technischen Fortschritt investieren, um die Kosten zu senken", sagte Edenhofer. Doch die Gesellschaft werde auch wohlhabender, weil sie die Klimaschäden vermindere, weil Gesundheit und Bildung verbessert würden und weil die Artenvielfalt erhalten werde. "Dieser neue Wohlstand wird eben nicht nur in Cent und Euro gemessen." Gerade im Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft werde es Gewinner und Verlierer geben. "Da muss man auf Gerechtigkeit für die Ärmeren achten", sagte der Wissenschaftler.