Erste Präsidentenwahl in Gambia seit Sturz von Jammeh 2016

Erste Präsidentenwahl in Gambia seit Sturz von Jammeh 2016

Frankfurt a.M., Banjul (epd). Im westafrikanischen Gambia haben die Menschen erstmals seit dem Sturz des Diktators Yahya Jammeh 2016 einen Präsidenten gewählt. In der Hauptstadt Banjul war das Interesse bei der Öffnung der Wahllokale am Samstag groß, wie der Sender RFI berichtete. Zur Wahl traten sechs Kandidaten an, darunter der derzeitige Staatschef Adama Barrow. Die Abstimmung gilt als Test für den Übergangsprozess zur Demokratie und könnte die erste demokratisch legitimierte Regierung des Landes überhaupt an die Macht bringen.

Neben Amtsinhaber Barrow stellte sich auch Mama Kandeh zur Wahl, der von Jammeh unterstützt wird. Jammeh lebt seit seinem Sturz im Exil in Äquatorialguinea, hielt während des Wahlkampfs aber unter anderem Reden über Telefon. Barrow steht in der Kritik, weil er bei seiner Amtsübernahme angekündigt hatte, nur als Übergangspräsident fungieren und nicht bei den Wahlen anzutreten zu wollen. UN-Generalsekretär António Guterres rief in der Nacht zum Samstag über seinen Sprecher zu einer friedlichen, glaubwürdigen und transparenten Abstimmung auf. Rund 960.000 Menschen haben sich für die Wahl registrieren lassen.

Gambia hat seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1970 keinen demokratischen Machtwechsel erlebt. Der erste Präsident des Landes, Dawda Jawara, wurde nach 24 Jahren im Amt 1994 durch einen Putsch von Jammeh abgelöst. Jammeh regierte rund 22 Jahre lang mit harter Hand. Er verfolgte Oppositionelle, Medienangehörige und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten. 2016 verlor Jammeh überraschend die Wahl, gab auf internationalen Druck das Amt auf und floh ins Ausland.