Todesfälle in Thüringer Heim: Patientenschützer fordern Aufklärung

Todesfälle in Thüringer Heim: Patientenschützer fordern Aufklärung

Nach einer Reihe Corona-bedingter Todesfälle in einem Thüringer Seniorenheim dringt die Deutsche Stiftung Patientenschutz auf Aufklärung. "Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht zu erfahren, was da los war", sagte Vorstand Eugen Brysch am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sei gefordert, "dass jetzt unverzüglich alles auf den Tisch gelegt wird".

In einem Seniorenheim in Rudolstadt sollen seit November 18 Bewohner am Coronavirus gestorben sein, davon nach Medienberichten 14 Ungeimpfte. Laut Presseberichten sollen Angehörige von der Impfung abgeraten haben. In sozialen Netzwerken habe sich zudem das Gerücht verbreitet, die Todesfälle stünden in Zusammenhang mit einer Booster-Impfung.

Nach Ansicht von Patientenschützer Brysch muss geklärt werden, ob Betreuer oder Verwandte Impfungen verhindert hätten. In dem Fall stelle sich die Frage, warum vom Gesundheitsamt oder dem Heimbetreiber nicht frühzeitig das Vormundschaftsgericht eingeschaltet worden sei. Auch stelle sich die Frage, ob in der Einrichtung im November tägliche Tests für alle Mitarbeiter, Besucher und Bewohner durchgeführt wurden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich im RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erschüttert und sprach von "völliger Unvernunft": "Hier war offenbar weder den Angehörigen noch der Heimleitung ausreichend bewusst, dass sie Leben auf Spiel setzen. Das ist unverzeihlich." Der scheidende Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), zeigte sich in denselben Zeitungen "ein Stück weit sprachlos".