Corona-Pandemie: Härte Maßnahmen gegen Virus-Verbreitung gefordert

Corona-Pandemie: Härte Maßnahmen gegen Virus-Verbreitung gefordert
Corona-Forscherin Priesemann zu Omicron: Unbekannt, ob Variante vermehrt zu schweren Verläufen führt
Politik und Experten fordern strengere Regeln gegen die Verbreitung des Coronavirus. Sorge bereitet auch die neue südafrikanische Variante, von der nicht klar ist, ob sie zu schwereren Verläufen als Delta führen kann.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen sprechen sich Politik und Experten immer deutlicher für strengere Maßnahmen aus, um das Pandemie-Geschehen zu verlangsamen. Der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zeigte sich offen für eine allgemeine Impfpflicht. "Ich befürchte, dass eine Impfpflicht gesellschaftlich spaltet. Aber eine nicht enden wollende Pandemie spaltet auch", sagte er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). Er wünsche sich, dass der Ethikrat sich jetzt intensiv unter anderem mit der Frage beschäftige, welche Sanktionen greifen könnten, wenn man einer Impfpflicht nicht nachkäme.

Der Leiter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), schließt einen Lockdown für Ungeimpfte nicht mehr aus. "Wir können nicht auf Dauer damit leben, dass die gesamte Gesellschaft massive Einschränkungen hinnehmen muss, weil einige Leute sich nicht impfen lassen wollen." Wenn sich jemand bewusst gegen den Schutz einer Impfung entscheide, dann müsse er damit leben, dass an diese freie Entscheidung auch Folgen geknüpft seien, sagte er im Interview mit dem "Bonner General-Anzeiger" (Samstag). Leider sei die vierte Welle alleine nicht mehr mit Auffrischungsimpfungen und mehr Tests aufzuhalten. Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 71,1 Prozent mindestens einmal.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schließt angesichts der aktuellen Corona-Lage gar einen weiteren Lockdown für Geimpfte und Genesene nicht aus. Man müsse zwar immer verhältnismäßig agieren, sagte Kretschmann der "Schwäbischen Zeitung" (Samstag). Dies berge aber "immer die Gefahr, dass wir zu langsam sind".

Für eine strikte Reduzierung der Kontakte trat auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, ein. Weihnachtsmärkte sollten bundesweit schließen, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). "Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind."

Die Physikerin Viola Priesemann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sprach sich zudem für eine weitreichende Maskenpflicht in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz und auch an Schulen aus. Sorge bereite der Corona-Forscherin zudem die neue Coronavirus-Variante Omicron. Sie habe sich um ein Vielfaches schneller ausgebreitet als die Delta-Variante. "Wir wissen bisher nicht, ob sie vermehrt zu schweren Verläufen führt oder vielleicht mildere Verläufe verursacht", sagte sie der "Rheinischen Post" (Online, Samstag).

Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Variante des Coronavirus mit dem Namen Omicron entdeckt. Deutschland erklärte Südafrika, Botsuana, Eswatini, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia und Simbabwe daraufhin als Virusvariantengebiet. Fluggesellschaften dürfen ab 28. November nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern. Sie müssen zudem nach der Einreise 14 Tage in Quarantäne, auch Geimpfte und Kinder.

Das RKI meldete am Samstag 67.125 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, lag im bundesweiten Schnitt bei 444,3. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt deutschlandweit derzeit 5,97.