Krankenhausgesellschaft beklagt Auswirkungen fehlender Impfungen

Krankenhausgesellschaft beklagt Auswirkungen fehlender Impfungen

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, beklagt die Auswirkungen der mangelnden Impfbereitschaft gegen das Coronavirus. "75 Prozent aller Krankenhausstandorte mit Intensivstationen melden heute einen nur noch eingeschränkten Betrieb", schreibt er in einem am Freitag in der "Rheinischen Post" veröffentlichten Gastbeitrag. Wie im Januar 2021 könne erneut fast jeder dritte Patient im Regelsystem nicht versorgt werden.

Konkret bedeute das rund 20 Prozent weniger Darmkrebs-Operationen und etwa sieben Prozent weniger Operationen bei Frauen mit Brustkrebs. "Die Situation, auf eine Warteliste gesetzt zu werden, ist für jeden einzelnen Krebspatienten psychisch und körperlich schwer zu ertragen", betonte Gaß.

"Die Notfallversorgung von Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten ist vielfach heute schon durch längere Fahrzeiten zu entfernt liegenden Krankenhäusern deutlich eingeschränkt", erklärte der Vorstandsvorsitzende. "Es werden mehr Menschen in dieser Notfallsituation sterben, als dies normalerweise der Fall ist, und es werden mehr Menschen lebenslang schwere Folgeschäden zum Beispiel bei einem Schlaganfall davontragen, als dies bei einer schnellen Therapie sein müsste."

"Jeder einzelne Ungeimpfte muss sich diese Situation vor Augen führen und persönlich die Frage stellen, welchen Beitrag er oder sie zur Beendigung dieser dramatischen Zustände leisten kann und will", betonte Gaß. Wegen der "fehlenden Einsicht bei einem Teil der Bevölkerung" brauche es eine allgemeine Impfpflicht, um die Pandemie zu überwinden. "Die Politik sollte den Mut haben, diese Entscheidung zu treffen", forderte er.

Das RKI meldete am Freitag 76.414 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, lag im bundesweiten Schnitt bei 438,2. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt deutschlandweit derzeit 5,79. Der Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche mit Covid-19 in ein Krankenhaus eingewiesen wurden. Dieser Inzidenzwert ist entscheidend für die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in den jeweiligen Bundesländern.

Aktuell sind laut Daten des RKI insgesamt 68,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig gegen Covid-19 geimpft, 70,8 Prozent mindestens einmal.