Spahn und Wieler sprechen von "nationaler Notlage"

Spahn und Wieler sprechen von "nationaler Notlage"

Berlin (epd). Angesichts der weiter steigenden Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen sprechen der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, von einer „nationalen Notlage“. Spahn sagte am Freitag in Berlin, das Land komme in eine Situation, in der in größerem Maßstab auch überregional Covid-19-Patienten verlegt werden müssen, möglicherweise auch ins Ausland. Wieler sagte, er rechne damit, dass die Zahl der Toten, die inzwischen wieder zwischen 200 und 300 pro Tag liege, weiter steige. „Das ist eine nationale Notlage“, sagte Wieler. Spahn wählte die gleichen Worte.

Das Ruder müsse jetzt herumgerissen werden, sagte Wieler. Vor allem Kinder und ältere Menschen müssten stärker geschützt werden. Spahn sagte: „Es ist zehn nach zwölf.“ Er forderte, die am Donnerstag gefassten Beschlüsse von Bundestag und Ministerpräsidentenkonferenz schnell umzusetzen. Dabei gehe es um einen Lockdown für Ungeimpfte, sagte Spahn und verwies auf die 2G-Regel, nach der nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu bestimmten Veranstaltungen, Dienstleistungen sowie in Restaurants und Hotels haben. Die Einhaltung der Regel müsse auch besser kontrolliert werden.

Zudem setzt Spahn Hoffnung auf die Auffrischungsimpfungen, die nach seinen Worten jetzt auch wieder in mehr Arztpraxen angeboten würden. Die Vergütung für die Impfungen wurde Spahn zufolge in dieser Woche auf 28 Euro pro Impfung angehoben, für Impfungen am Wochenende auf 36 Euro. Um alle Menschen zu „boostern“, die bis Ende Juni vollständig geimpft wurden, müssen bis Jahresende rund 27 Millionen Dosen verabreicht werden.

Das Robert Koch-Institut meldete am Freitag fast 53.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen stieg auf 340,7, erneut ein Rekordwert. Wieler sagte, schätzungsweise gebe es derzeit in Deutschland rund eine halbe Million aktive Corona-Fälle. Weitere 201 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Die Zahl der Toten stieg damit auf 98.739.