Lilie: Sozialsektor ist bei Nachhaltigkeit "Stiller Riese"

Lilie: Sozialsektor ist bei Nachhaltigkeit "Stiller Riese"
13.10.2021
epd
epd-Gespräch: Björn Schlüter

Sozialbetriebe und die Verbände der freien Wohlfahrtspflege sind nach Ansicht des Diakoniepräsidenten Ulrich Lilie bei Klima- und Umweltschutz ein "stiller Riese" mit immensem Potenzial. Für die kommende Bundesregierung seien sie "geborene Partner" beim Umsetzen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, sagte Lilie dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Auftakt der Konferenz Diakonie und Entwicklung am Mittwoch in Wolfsburg.

"Deutschlandweit stellen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege rund 1,9 Millionen bezahlte Arbeitsplätze", betonte Lilie. "Alle eint, dass sie gemeinwohlorientiert wirtschaften." Viele hätten schon nachhaltige Projekte angestoßen.

Um die Vorhaben noch besser umsetzen zu können, "braucht es dringend verlässliche Rahmenbedingungen", für die die künftige Bundesregierung sorgen müsse. So erweise sich beispielsweise die Gemeinnützigkeit teils als Hemmschuh. "Wir dürfen keine großen Rücklagen bilden und können auch keine großen Förderprogramme auflegen - etwa beim Gebäudemanagement." So würden Betriebe in die widersinnige Lage versetzt, in fossile Brennstoffe investieren zu müssen, anstatt in eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Auch müsse die neue Bundesregierung dringend dafür Sorge tragen, dass der Umbau hin zu mehr Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen sozialverträglich stattfinde, mahnte der Diakoniepräsident. "Es darf nicht sein, dass die Menschen in unserer Gesellschaft, die jetzt schon benachteiligt sind, dann noch weiter abgehängt werden", sagte Lilie mit Blick auf die Entwicklung der Kosten für Heizung, Strom und Wasser.

Für die Diakonie Deutschland mit ihren rund 31.600 Betrieben und 600.000 Mitarbeitenden werde die Konferenz in Wolfsburg Nachhaltigkeitsleitlinien beschließen, kündigte Lilie an. Sie sollten Mitgliedern, Trägern und Einrichtungen Orientierung für die Ausrichtung des Handelns im Themenfeld Klima und Nachhaltigkeit für die nächsten Jahre geben. "Zudem streben wir einen Beschluss an, bis 2035 klimaneutral zu werden."

Die Konferenz Diakonie und Entwicklung ist das höchste beschlussfassende Gremium des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung, zu dem die Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe gehören. Die Konferenz mit 112 Delegierten beschließt über Grundsätze der diakonischen Arbeit sowie der Entwicklungsarbeit und der humanitären Hilfe.