Andresen gibt Vorsitz der Aufarbeitungskommission ab

Andresen gibt Vorsitz der Aufarbeitungskommission ab

Die Frankfurter Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen beendet ihre Tätigkeit als Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie wird ab Oktober Dekanin am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wie die Kommission am Dienstag in Berlin mitteilte. Aus diesem Grund sei es Andresen zeitlich nicht mehr möglich, zusätzlich ihr ehrenamtliches Engagement in der Kommission auszuüben. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wurde noch nicht genannt.

Andresen erklärte, sie werde sich weiter für die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs einsetzen. Die Jahre an der Spitze der Kommission seien eine "wertvolle, unersetzbare Erfahrung" gewesen. Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig, die Kommissionsmitglieder und der Betroffenenbeirat beim Missbrauchsbeauftragten würdigten Andresens Engagement. Rörig erklärte, sie habe einen unschätzbar großen Beitrag für die Aufarbeitung und die Anerkennung des Leids von Betroffenen geleistet.

Andresen hatte zuletzt für die Kommissionsarbeit "mehr Rückendeckung" von der Politik gefordert, deren insgesamt sieben Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Die Kommission verlangt von der künftigen Regierung eine Laufzeitverlängerung um weitere fünf Jahre bis 2028 sowie eine gesetzliche Grundlage für ihre Arbeit. Die Mitglieder wurden 2016 auf der Grundlage eines Bundestags-Beschlusses vom Missbrauchsbeauftragten berufen. Zuletzt stellte die Kommission eine Studie über das Ausmaß und die Folgen sexueller Gewalt gegen Kinder innerhalb der Familie vor.

Zentral für die Aufarbeitung sind mündliche Anhörungen und schriftliche Berichte von Betroffenen. Bislang haben sich nach Angaben der Kommission mehr als 2.800 Menschen an das Gremium gewendet, das mit dem Slogan "Geschichten, die zählen" die Bedeutung eines jeden einzelnen Falles betont.