Papst: Woelki darf trotz "großer Fehler" im Amt bleiben

Papst: Woelki darf trotz "großer Fehler" im Amt bleiben
Gut drei Monate musste das Erzbistum Köln auf die Entscheidung aus Rom zur Personalie Woelki warten: Der Erzbischof darf zwar bleiben, wird aber zunächst eine Auszeit nehmen. Woelki kündigte an, in dieser Zeit nach Wegen für die Zukunft zu suchen.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki kann im Amt bleiben. Papst Franziskus habe Woelki auf dessen eigenen Wunsch aber eine "geistliche Auszeit" gewährt, die von Mitte Oktober bis Anfang März nächsten Jahres dauern wird, heißt es in einer Erklärung des Heiligen Stuhls vom Freitag. Woelki war wegen seines Umgangs mit der Missbrauchskrise im Erzbistum heftiger Kritik ausgesetzt. Im Juni hatten päpstliche Gutachter den Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen geprüft. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken äußerte Unverständnis für die Entscheidung des Papstes.

Der Kardinal räumte Fehler bei der Aufarbeitung und in der Kommunikation ein. "Das tut mir leid, das bedauere ich", sagte er. Er kündigte an, die Auszeit dafür zu nutzen, "Wege für mich zu finden, die in die Zukunft weisen können, wie wir hier miteinander im Erzbistum zukünftig als Kirche von Köln auf dem Weg sein können". Die Amtsgeschäfte übernimmt bis zum Ende der Auszeit Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hofft, auf einen Aussöhnungsprozess im Erzbistum. "Ob dies innerhalb weniger Monate zu einer grundlegend veränderten Situation führen kann, vermag ich nicht zu beurteilen", sagte er. "Die Entscheidungen aus Rom werden sehr kontrovers diskutiert werden." Viel hänge jetzt davon ab, wie der Kardinal die Auszeit gestalten werde, betonte Bätzing.

Er sagte weiter, Rom sei sichtlich darum bemüht, mit diesen Entscheidungen Bewegung in die schwere Krisensituation im Hinblick auf das Vertrauen in die Führung des bischöflichen Amtes zu bringen, die das Erzbistum Köln schwer belaste und weit darüber hinaus auf die Kirche in Deutschland ausstrahle.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, erklärte indes: "Ich kann die vatikanische Entscheidung zum Verbleib von Kardinal Woelki im Amt nicht verstehen." Die Auszeit sei keine Lösung der Vertrauenskrise. "Es ist völlig unklar, was am Ende einer solchen Auszeit stehen kann und sie ist nicht geeignet, um verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen."

Auch die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" übte Kritik. "Mit dieser römischen Entscheidung wird der dringend notwendige Versöhnungs- und Erneuerungsprozess verhindert", erklärte die katholische Reformbewegung in München. Bei vielen Missbrauchsbetroffenen, aber auch bei Gläubigen im Erzbistum sei die Enttäuschung groß.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte, die Entscheidung des Vatikans sei eine Zäsur. "Es wird eine Zeitrechnung vor und nach diesem Tag geben", sagte Schüller dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In der Erklärung des Heiligen Stuhls heißt es, dass sich kein Hinweis darauf ergeben habe, dass Woelki im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat. Dennoch habe der Kardinal "in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, auch große Fehler gemacht". Das habe wesentlich zu einer Vertrauenskrise im Erzbistum beigetragen.

Auch die beiden Kölner Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp, die den Papst wegen Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen um ihren Rücktritt gebeten hatten, sollen im Amt bleiben. "Mir ist klar geworden: ein einfaches 'Weiter wie bisher' kann es nicht geben", teilte Schwaderlapp am Freitag mit. Auch Puff erklärte, er wolle in Zukunft so leben und arbeiten, dass Menschen ihm vertrauen könnten.

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der zuvor im Kölner Erzbistum tätig war, hatte seinen Rücktritt angeboten, den der Papst ebenfalls ablehnte. Diese Entscheidung war bereits in der vergangenen Woche verkündet worden.