Lehrer und Ärzte fordern besseren Infektionsschutz in Schulen

Lehrer und Ärzte fordern besseren Infektionsschutz in Schulen

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen vor allem bei jungen Menschen haben Lehrer- und Ärztevertreter die Bundesländer davor gewarnt, Schulöffnungen nach den Sommerferien zu gefährden. "Der Hauptfehler im letzten Sommer war, dass man im Hinblick auf die erhoffte Normalität eines vollständigen Präsenzunterrichts nicht genug getan hat für einen ausreichenden Hygieneschutz an den Schulen", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). Zudem habe man sich auch nicht ausreichend auf das alternative Szenario eines wieder notwendigen Distanzunterrichts vorbereitet.

Der Lehrerverband sei besorgt, dass die Landesregierungen "aus den damaligen Fehlern nicht genug gelernt haben", sagte Meidinger. Zu wenige Klassenzimmer seien bisher mit Raumfilteranlagen nachgerüstet worden. Das Risiko einer "kompletten Durchseuchung" der weitgehend ungeimpften Kinder und Jugendlichen sei nach den Schulferien groß, warnte er. Die Schnelltests an Schulen müssten deutlich auf mindestens drei Testungen pro Woche ausgeweitet werden. Gleichzeitig müsse in den wenigen verbleibenden Wochen bis zum Schuljahresstart die Digitalisierung der Schulen mit voller Kraft vorangetrieben werden.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte, noch in den Sommerferien die Infektionsschutzmaßnahmen für Schulen und Kitas vorzubereiten. Außerdem reichten die bisher in vielen Bundesländern üblichen zwei Schnelltests pro Woche bei weitem nicht aus, sagte er der "Rheinischen Post". Um die Infektionsdynamik zu verringern und Wechselunterricht zu vermeiden, müssten PCR-Pooltests, sogenannte Lolly-Tests, flächendeckend für alle Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt werden und täglich zum Einsatz kommen.

"Kinder und Jugendliche brauchen für eine gesunde Entwicklung einen geregelten Schulbetrieb mit sozialen Kontakten", sagte der Mediziner. Schon jetzt sei ersichtlich, wie gravierend die Folgen der bisherigen Schulschließungen für die junge Generation seien: "Dazu zählen vermehrt auftretende Angststörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Depressionen, Suizidgedanken sowie eine verzögerte Sprachentwicklung und eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten", sagte Reinhardt. Deshalb dürften Schulöffnungen nach den Sommerferien nicht gefährdet werden.