Größte protestantische US-Kirche hat neue Spitze

Größte protestantische US-Kirche hat neue Spitze
Im Südlichen Baptistenverband der USA streitet das liberale und konservative Lager über den Umgang mit der Frauenordination und Rassismus. Für Konflikt sorgt auch die Aufklärung von Missbrauch. Der neue Präsident gilt als Brückenbauer.

Die größte protestantische Kirche der USA hat einen neuen Präsidenten. Pastor Ed Litton (62) von der Redemption-Kirche in Saraland in Alabama wurde am Dienstag (Ortszeit) laut Medienberichten an die Spitze des 14 Millionen Mitglieder zählenden Südlichen Baptistenverbandes gewählt. Das Abstimmungsergebnis bei der Jahresversammlung der "Southern Baptist Convention" gilt als Niederlage für rechtskonservative Strömungen innerhalb der Kirche.

Vier Kandidaten standen zur Wahl. Im zweiten Wahlgang erhielt Litton 52 Prozent der Stimmen der rund 13.000 Delegierten. Litton gilt als Brückenbauer und ist bekannt für seine Arbeit zur Versöhnung zwischen Weißen und Schwarzen. Die Südlichen Baptisten seien eine Familie, sagte Litton nach seiner Wahl laut Informationsdienst "Baptist Press". Litton löst den nach drei Amtsjahren turnusgemäß ausscheidenden Präsidenten J.D. Greear ab.

Pastor Mike Stone, Mitglied im Leitungsgremium des "Konservativen Baptistischen Netzwerks", bekam 48 Prozent. Mitglieder dieser Gruppe kritisieren, dass sich im Südlichen Baptistenverband (SBC) zunehmend "weltliche Ideologien" durchsetzten.

Vor der zweitägigen Versammlung in Nashville in Tennessee hatten SBC-Vertreter vor einem fortgesetzten Streit zwischen Konservativen und Liberalen gewarnt. Brisante Themen sind sexueller Missbrauch in der Kirche, die Zulassung von Frauen zum Pastorenamt, Homosexualität sowie der Umgang mit Rassismus. 71 Prozent weißer SBC-Mitglieder betrachteten sich als Anhänger der Republikanischen Partei, berichtete Politikwissenschaftler Ryan Burge im Informationsdienst "Religion News Service".

Der evangelikal geprägte Baptistenverband definiert sich als Vereinigung gleichgesinnter Kirchen. Laut dem jüngsten Jahresprofil der Kirche ging die Zahl der Mitglieder im Zeitraum von 2019 auf 2020 um drei Prozent auf vierzehn Millionen zurück.

Der Südliche Baptistenverband wurde 1845 durch die Abtrennung von anderen Baptisten gegründet, die die Sklaverei ablehnten. Seit Jahren bemüht sich die der Verband um Vielfalt. Die Führungsriege bleibt jedoch weitgehend weiß. Frauen dürfen in der SBC nicht Pastorinnen werden. Der Verband legt großen Wert auf die Autonomie der einzelnen Gemeinden.