Experte zu G7-Gipfel: Die schwächsten Gruppen nicht vergessen

Experte zu G7-Gipfel: Die schwächsten Gruppen nicht vergessen
09.06.2021
epd-Gespräch: Moritz Elliesen
epd

Der Entwicklungsexperte Klaus Seitz fordert die G7-Staaten dazu auf, die sozialen Folgen der Corona-Pandemie in armen Ländern anzugehen. Die Pandemie habe die globale Ungleichheit verschärft, sagte der Abteilungsleiter bei "Brot für die Welt" dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor dem Treffen der sieben führenden Industrienationen am Wochenende. Die Konjunkturprogramme der reichen Staaten dürften nicht nur die eigene Wirtschaft adressieren. "Wir dürfen die schwächsten Gruppen nicht vergessen", sagte Seitz.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten kommen von Freitag bis Sonntag zu ihrem jährlichen Gipfeltreffen im englischen Cornwall zusammen. Schwerpunkte des dreitägigen Treffens sind unter anderem die Bewältigung der Corona-Krise und die Verteilung von Impfstoffen. Neben den G7-Staaten nehmen Australien, Indien, Südkorea und Südafrika als Gäste teil.

Seitz warnte davor, die sozialen Folgen der Pandemie in armen Ländern bei dem Treffen aus den Augen zu verlieren. Vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen litten unter der durch Corona verursachten Wirtschaftskrise. Nur etwa ein Viertel der Weltbevölkerung sei sozial gegen existentielle Risiken wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit abgesichert. Die G7-Staaten müssten an dem Ziel festhalten, mindestens 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Entwicklungshilfe auszugeben, forderte der Leiter der Abteilung Politik von "Brot für die Welt". Außerdem sollten sie einen Fonds auf den Weg bringen, der arme Länder beim Aufbau von sozialen Sicherungssystemen unterstützt.

Mit Blick auf die Corona-Impfstoffe forderte Seitz eine vorübergehende Aussetzung des Patentschutzes. "Die Produktionskapazitäten für Impfstoffe, Diagnostika und Therapeutika könnten vielerorts rasch aufgebaut werden, etwa in Südafrika, Indien und dem Senegal", sagte er. Gleichzeitig müssten die G7-Staaten mehr Geld in den Aufbau der Gesundheitssysteme in armen Ländern investieren. Andere Krankheiten wie Tuberkulose oder Malaria seien vernachlässigt worden. "Die ausschließliche Fokussierung auf Corona ist schädlich."

Auch der Kampf gegen den Klimawandel steht auf der Agenda des Gipfeltreffens. In den meisten Corona-Konjunkturpaketen werde der Klimaschutz vernachlässigt, kritisierte Seitz. "Sie investieren in ein Wirtschaftsmodell von gestern." So würden beispielsweise fossile Brennstoffe subventioniert. "Alle Wirtschaftsprogramme zur Bewältigung der Corona-Krise müssen an dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens ausgerichtet werden", forderte er. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

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