Wissenschaftler kritisieren Suchtpolitik der Bundesregierung

Wissenschaftler kritisieren Suchtpolitik der Bundesregierung

Nach Ansicht von Wissenschaftlern kann Deutschland nicht rauchfrei werden, solange die Bundesregierung an ihrer bisherigen Drogen- und Suchtpolitik festhält. Der derzeitige gesundheitspolitische Ansatz "Quit or die", also "Hör auf oder stirb", sei gescheitert, sagte der Frankfurter Suchtforscher Heino Stöver bei einem Online-Symposium am Mittwoch. In Deutschland rauche immer noch rund ein Viertel der Bevölkerung. Jährlich sterben mehr als 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, wie es hieß.

Bei der Veranstaltung "Deutschland rauchfrei 2030 - wir schaffen das! Aber wie?" forderte der geschäftsführende Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences eine "evidenzbasierte Politik und Praxis", die E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel als Zwischenschritt vor der kompletten Abstinenz nicht weiter ignoriere. Notwendig sei eine Strategie, die mehr Anreize für das Benutzen von alternativen Produkten setze.

"Die Regulierung von Nikotinprodukten muss wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen und den Verbrauchern die sofortige Risikoreduzierung durch alternative Produkte ermöglichen, statt sie zu erschweren", sagte Stöver. E-Zigaretten und Verdampfer seien weniger schädlich als herkömmliche Verbrennungszigaretten, dennoch gelte für sie die gleiche Steuer wie für Tabakprodukte. Dabei falle es Rauchern deutlich leichter, ihre Sucht zu besiegen, wenn sie risikoärmere Produkte während der Entwöhnung nutzen würden.

An einem Ansatz zur Schadensminderung orientiere sich beispielsweise Schweden, erklärte der Suchtforscher. Alternativen wie etwa "Snus", also Tabakbeutel für die orale Aufnahme, seien dort weitaus stärker verbreitet als in Deutschland.

Karl Fagerström, Psychologe und Erfinder eines nach ihm benannten Tests zur Zigarettenabhängigkeit, betonte auf dem Symposium, dass die Raucherquote in seiner Heimat Schweden bei unter fünf Prozent liege. Würde man dem schwedischen Ansatz auch in Deutschland folgen, könne die Zahl der frühzeitigen Tode um mindestens 44.000 verringert werden, sagte er.

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