Spahn: Dritte Corona-Welle scheint gebrochen

Spahn: Dritte Corona-Welle scheint gebrochen
Angesichts sinkender Infektionszahlen äußert sich Gesundheitsminister Spahn zuversichtlich. Er warnt aber vor zu schnellen Lockerungen.

Berlin (epd). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (SPD) hat sich vorsichtig optimistisch zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland geäußert. "Die dritte Welle scheint gebrochen", sagte er am Freitag in Berlin. Die Neuinfektions-Zahlen gingen zurück, seien aber nach wie vor auf hohem Niveau. Diesen positiven Trend gelte es nun zu verstetigen. Das gehe aber nicht mit vorschnellen Lockerungen, fügte Spahn hinzu und betonte: "Zu viele öffnen gerade ziemlich viel."

Er rief die Menschen auf, noch bis Ende Mai durchzuhalten. Die Impfkampagne habe an Fahrt aufgenommen: So seien 26,2 Millionen Menschen inzwischen mindestens einmal geimpft worden. Das seien 31,5 Prozent der Bevölkerung. 8,8 Prozent hätten bereits den vollen Schutz.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, wies darauf hin, dass auf den Intensivstationen noch keine Entspannung sichtbar sei. Es gebe derzeit nur einen Rückgang bei den leichteren Fällen. Die Zahl der Patienten mit invasiver Beatmung steige wiederum zum Teil noch an. Mehr als 70 Prozent der Intensivbereiche meldeten, dass Kapazitäten begrenzt oder sogar ausgelastet seien. "Das sind Höchstwerte", betonte er.

Noch immer gebe es zudem viele Todesfälle. Insgesamt sind seit Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr in Deutschland rund 85.000 Menschen an und mit dem Virus gestorben.

In Bezug auf die aktuelle Debatte über Nachteile für Jüngere, die in der Regel erst deutlich später mit dem Impfen an der Reihe sind, erinnerte Gesundheitsminister Spahn daran, warum der Ansatz der Priorisierung gewählt worden sei. Es sei darum gegangen, diejenigen zuerst zu impfen, die besonders verwundbar seien und sehr hohe Schutzmaßnahmen hatten. In Pflegeheimen habe für viele "ziemliche Isolation" geherrscht. Wenn also Gemeinschaftsleben als erstes wieder in den Pflegeheimen möglich sei, könne das begründet werden. Bei Impfungen gehe es zudem um Wochen, nicht um Jahre, fügte er hinzu.

Der Minister bekräftigte ferner seine ablehnende Haltung zu einer zeitweisen Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe. Die Diskussion gewinnt an Fahrt, seit die USA eine Kehrtwende vollzogen haben und für eine Lockerung der Patentrechte plädieren. Spahn betonte, Hauptthema sei nicht die Frage von Patenten, sondern von Produktionskapazitäten. Insofern freue er sich, wenn die USA nun bereit seien Dosen, die schon produziert wurden, für den Export freizugeben. Die Europäische Union produziere bereits für die Welt, und Deutschland sei das Land, dass sich am zweitstärksten engagiere für die internationale Impf-Initiative Covax zur Versorgung ärmerer Länder. Es sei interessant, dass der Staat, der bislang mit am wenigsten dem Rest der Welt zur Verfügung gestellt habe, die Diskussion anhand von Patentrechten beginne.