Autor Uwe von Seltmann: Impfstoff gegen Antisemitismus nötig

Autor Uwe von Seltmann: Impfstoff gegen Antisemitismus nötig
26.03.2021
epd-Gespräch: Holger Spierig
epd

In Deutschland tut man sich nach den Worten des Autors Uwe von Seltmann noch immer schwer, Juden unbefangen gegenüberzutreten. "Juden werden entweder glorifiziert, indem alle ihre Leistungen irrational überhöht werden, oder verteufelt, indem Juden für alles Schlechte verantwortlich gemacht werden", sagte der Autor des Buches "Wir sind da!" anlässlich des Festjahres "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er verbinde mit dem Festjahr die Hoffnung, dass das Judentum als normaler Bestandteil der deutschen Gesellschaft gesehen werde.

Die Vorurteile gegenüber dem Judentum seien tief in der Gesellschaft verankert, auch weil sie in der christlichen Religion verwurzelt seien, etwa im Neuen Testament, sagte Seltmann. Um das Wort "Jude" zu vermeiden, würden zudem Wendungen benutzt wie "jüdische Mitbürger" oder "Menschen jüdischen Glaubens". "Es würde aber niemand auf die Idee kommen, 'Menschen islamischen Glaubens' oder 'unsere christlichen Mitbürger' zu sagen", erklärte der Autor und Dokumentarfilmer weiter. Die Unsicherheit gegenüber Juden hänge "mit der letztlich nicht aufgearbeiteten NS-Geschichte zusammen".

Antisemitismus sei ein irrationales Phänomen, daher sei mit Argumenten dagegen schwer anzukommen, erklärte Seltmann: "Der nächste Impfstoff, der gefunden werden muss, ist einer gegen Antisemitismus." Zwar würden in Deutschland Gedenktage wie der 9. November für die Opfer des Nationalsozialismus und der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar begangen. Das Erinnern bleibe aber vielfach an der Oberfläche. Wie tief die über Generationen weitergegebenen Vorurteile gegen Juden sitzen, sei aktuell auch bei der Bewegung der Corona-Leugner zu sehen, bei der "mit eindeutig antisemitischen Untertönen von einer großen Weltverschwörung geredet" werde.

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