Hohe Erwartungen an Irak-Reise von Papst Franziskus

Hohe Erwartungen an Irak-Reise von Papst Franziskus
Religionsbeauftragter Grübel und Kauder bezeichnen Besuch des Kirchenoberhauptes als historisch
Die erste Auslandsreise von Papst Franziskus seit Beginn der Corona-Pandemie führt ihn von Freitag bis Montag in den Irak. Franziskus soll in dem Land voller religiöser und politischer Konflikte als Vermittler auftreten, fordern Menschenrechtler.

Die am Freitag beginnende Reise des Papstes in den Irak weckt hohe Erwartungen: Franziskus soll sich nach Ansicht von Menschenrechtlern bei seinem bevorstehenden viertägigen Besuch für echte Glaubensfreiheit und für die christlichen und anderen Minderheiten in dem Land einsetzen. Vor allem Angehörige der Minderheiten hofften, dass der Papst die Zentralregierung in Bagdad und die Regionalregierung in Kurdistan für die Sorgen der christlichen, jesidischen, mandäischen und anderen Gemeinschaften sensibilisieren könne, sagte der Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido, am Mittwoch in Göttingen. Der Irak-Besuch ist die erste Auslandsreise des Papstes seit Beginn der Corona-Pandemie.

Religiöse Minderheiten litten seit Jahren unter Angriffen radikalislamischer Gruppen sunnitischer oder schiitischer Prägung, fügte der Nahostexperte Sido hinzu: "Sie hoffen daher auf ein Signal, dass ihnen ein Gefühl der Sicherheit in ihrer historischen Heimat gibt."

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wünscht sich von Papst Franziskus, dass er mit deutlichen Worten für die volle Gleichberechtigung aller religiösen Strömungen im Irak eintritt. Die aktuelle Sicherheitslage in dem Land sei sehr fragil, insbesondere für alle religiösen Minderheiten, wie Christen, Juden, Jesiden und schiitische Muslime. Die volle Gleichberechtigung aller Religionsgemeinschaften sei die Basis für friedliche Entwicklung. "Dies sollte Papst Franziskus in Bagdad und Erbil thematisieren", erklärte die IGFM in Frankfurt am Main. Erbil ist die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Norden des Landes.

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, wertete die Reise als historisches Ereignis. Mit der ersten Reise eines Papstes in das Land spende Franziskus den irakischen Christen Hoffnung und unterstreiche die historische Verbundenheit des Christentums mit dem Irak, erklärte Grübel in Berlin. Der Besuch biete auch Gelegenheit, auf die zum Teil prekäre Lage der Christen und weiterer Minderheiten hinzuweisen. Franziskus setze damit ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben aller religiösen Gruppen im Land.

Laut Grübel ist das geplante Treffen zwischen Papst Franziskus und Großajatollah Ali al-Sistani zudem ein wichtiges Signal für den christlich-schiitischen Dialog. Das Vertrauen zwischen den Religionen aber auch innerhalb der religiösen Gruppen habe durch die Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staats (IS) im Irak sehr gelitten. Das Treffen zwischen dem Papst und al-Sistani könne dazu beitragen, dieses Vertrauen wieder zu stärken.

Der CDU-Politiker Volker Kauder wertete den Irak-Besuch des Papstes als Zeichen der Solidarität und Chance zum Dialog. "Es ist ein historisches Ereignis mit großer Signalwirkung, dass Papst Franziskus den Irak bereisen wird. Er ist nicht nur der erste Papst, der das Zweistromland besucht. Franziskus sucht auch bewusst den Kontakt zu führenden, aber in ihren Überzeugungen mitunter konträren politischen und religiösen Amtsträgern", erklärte der in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Religionsfreiheit, den Einsatz gegen Christenverfolgung und Wertethemen zuständige Kauder am Mittwoch in Berlin. Der Irak brauche dringend solche Hoffnungszeichen und die Unterstützung der Weltgemeinschaft. Nur so könne es zu Versöhnung und einem friedlichen Zusammenleben kommen.

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