Rörig fordert von Kirchen "Ruck" für die Aufarbeitung von Missbrauch

Rörig fordert von Kirchen "Ruck" für die Aufarbeitung von Missbrauch
14.02.2021
epd
epd-Gespräch: Corinna Buschow und Bettina Markmeyer

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sieht bei den Kirchen weiterhin Verbesserungsbedarf bei der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Es bewege sich zwar einiges in Richtung unabhängiger Aufarbeitung, sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gleichzeitig könne er aber Betroffene verstehen, die sagen, es gehe viel zu langsam und nicht konsequent genug. "Ich empfehle wirklich allen katholischen und evangelischen Kirchenleuten, sich einen starken Ruck für die Aufarbeitung zu geben", sagte Rörig.

Rörig sagte, er wünsche sich eine Lösung im Streit um die Missbrauchsgutachten in Köln. Der dortige katholische Erzbischof Rainer Maria Woelki steht in der Kritik, weil er ein 2018 von ihm beauftragtes und inzwischen fertiggestelltes Missbrauchsgutachten einer Münchner Kanzlei nicht veröffentlichen will. Stattdessen gab der Kardinal ein neues Gutachten in Auftrag, das am 18. März veröffentlicht werden soll. Dem Kardinal wird zudem Vertuschung vorgeworfen, weil er 2015 nach der Prüfung von Personalakten einen mutmaßlichen Missbrauchsfall nicht an den Apostolischen Stuhl in Rom gemeldet hat.

In Köln hätten sich die Betroffenen instrumentalisiert gefühlt, sagte Rörig. "Für eine transparente Aufarbeitung ist das nicht förderlich", ergänzte er. Umso mehr wünsche er den Betroffenen und allen, die sich für die Aufarbeitung engagieren, "bald eine Lösung mit verbindlichen Zusagen und verlässlicher Umsetzung".

Rörig forderte, den Prozess zur Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungskommissionen nicht weiter zu beeinträchtigen. Solche Kommissionen sieht die "Gemeinsame Erklärung" vor, die Rörig im vergangenen Jahr mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz unterzeichnet hatte. Der Prozess sei in vielen Diözesen, auch in Köln, bereits gestartet. "Das Erzbistum sollte zügig Transparenz sicherstellen", forderte Rörig. Wichtig sei, dass die in Rede stehenden Gutachten der künftigen Kommission "uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden".

Mit Blick auf die evangelische Kirche äußerte sich Rörig zuversichtlich, auch mit ihr bald eine Vereinbarung über die Aufarbeitung zu unterzeichnen. Im Sommer seien mit dem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eingesetzten Beauftragtenrat Missverständnisse ausgeräumt worden. "Ende dieses Monats gibt es ein weiteres Treffen. Ich hoffe, dass wir die Erklärung dann gemeinsam abschließen können", sagte er.

Rörig sagte, die bestehenden Kommissionen der evangelischen Landeskirchen würden sich vor allem mit den Anerkennungszahlungen befassen. "Unabhängige Aufarbeitungskommissionen, wie wir sie vorsehen, müssen aber den Fragen nachgehen, wo vertuscht wurde, wer Verantwortung hatte, wo Missbrauch nicht unterbunden und wie mit Betroffenen umgegangen wurde", erklärte er.

epd co/bm jup