Expertin: Neues Adoptionshilfe-Gesetz ist absolut fundiert

Expertin: Neues Adoptionshilfe-Gesetz ist absolut fundiert
20.01.2021
epd-Gespräch: Dirk Baas
epd

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) sieht in dem ab April geltenden neuen Adoptionsrecht einen wichtigen Schritt zum offeneren Umgang mit Adoptionen. Das sei nötig, "denn jedes Kind hat das Recht, seine Herkunft zu kennen", sagte Roswitha Göcke, Expertin und Abteilungsleiterin beim SkF Ibbenbüren, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die neuen Regelungen für die Vermittlungsstellen seien absolut fundiert: "Sie werden die Begleitung von Adoptionen deutlich verbessern, und zwar vor, während und vor allem auch nach einer Adoption." Künftig gebe es, anders als bisher, eine längere, wenn auch freiwillige professionelle Begleitung der aufnehmenden Familien und der adoptierten Kinder.

Der Diplom-Sozialarbeiterin zufolge wurden wissenschaftlich untermauerte Vorgaben in das neue "Gesetz zur Verbesserung der Hilfen für Familien bei der Adoption" geschrieben, die lange überfällig gewesen seien. Man nehme jetzt auch die abgebenden Eltern in den Blick. Sie hätten oft eine lebenslange Auseinandersetzung über den Verlust ihres Kindes. Die Schuld- oder Versagensgefühle blieben. "Auch in diesen Fällen geben wir Unterstützung", so Göcke.

Zugleich werde das Gesetz die sogenannte Biografiearbeit mit den adoptierten Kindern fördern. "Denn jedes Kind hat das Recht, seine Herkunft zu kennen", betonte Göcke. "Künftig wird schon bei den ersten Kontakten und Gesprächen mit den abgebenden und den annehmenden Eltern besprochen, wie die Begleitung später aussehen soll, wie man miteinander im Kontakt bleiben will."

Dieses Vorgehen sei sehr wichtig und habe bindenden Charakter. Damit sei für die adoptierten Kinder "eine gute Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit der Herkunftsgeschichte und möglichen späteren Kontaktwünschen gegeben."

Nach heutigem Recht endet die fachliche Begleitung und Beratung der Eltern mit dem Adoptionsbeschluss, der in der Regel etwa nach einem Jahr der Adoptions-Pflege als Vorstufe ergeht und auch das Verfahren formell abschließt. Göcke: "Dann waren wir Fachleute draußen, weil die Politik darauf verwies, dass die neuen Eltern den leiblichen Eltern rechtlich gleichgestellt sind und fortan weder Beratung noch Begleitung brauchen." Dadurch endete auch in fast allen Fällen der fachliche Beistand. Ein Jahr aber sei ein viel zu kurzer Zeitraum: "Das wird sich nun ändern", so die Fachfrau.

Zu dem vom Vermittlungsausschuss im Dezember gefundenen Kompromiss zur Stiefkindadoption in lesbischen Paaren sagte Göcke, das sei für sie "bei der Reform eher eine Facette am Rande. Der Fokus des neuen Gesetzes liegt klar auf den fachlichen Standards, die die Begleitung und Beratung der Eltern und das Wissen der Kinder über ihre Herkunft verbessern. Das ist mir persönlich wichtiger, als die Fragen, die jetzt noch in einer Reform des Abstammungsrechtes zu regeln sind".

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