Thorsten Latzel wird Rekowski-Nachfolger als rheinischer Präses

Thorsten Latzel wird Rekowski-Nachfolger als rheinischer Präses
Landeskirche stellt wichtige personelle Weichen
Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich mit der Wahl eines neuen Präses und der Besetzung weiterer wichtiger Leitungsämter personell neu aufgestellt. Mit Thorsten Latzel übernimmt erstmals ein Theologe von außen das Spitzenamt der Landeskirche.

Führungswechsel bei der Evangelischen Kirche im Rheinland: Mit der Wahl eines neuen Präses und eines neuen Finanzchefs hat die zweitgrößte deutsche Landeskirche am Donnerstag wichtige personelle Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Auch weitere Kirchenleitungs-Mitglieder wurden neu bestimmt. Der künftige Präses Thorsten Latzel, der das Amt des leitenden Theologen im März vom scheidenden Präses Manfred Rekowski übernimmt, erhielt viel Zuspruch und Glückwünsche aus Kirche und Politik.

Latzel setzte sich bei der Abstimmung der per Videokonferenz tagenden Synode über den künftigen Präses überraschend bereits im ersten Wahlgang mit 113 von 190 Stimmen gegen den aus Bayern stammenden Theologieprofessor Reiner Knieling und die Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk, durch.

Der 50-jährige promovierte Theologe ist seit 2013 Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt und leitete zuvor im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover das Projektbüro Reformprozess. Er kündigte an, er wolle die rheinische Kirche als "Ort der Hoffnung für diese Welt" stärken, damit sie weiter ihre öffentliche Verantwortung zum Wohl der Gesellschaft wahrnehmen und "Salz der Erde" sein könne.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat 2,4 Millionen Mitglieder in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen und ist gegliedert in 37 Kirchenkreise mit 655 Gemeinden. Als oberster Repräsentant vertritt Latzel die Landeskirche künftig nach außen und ist Vorsitzender der Landessynode - dem obersten Organ - und der Kirchenleitung sowie Chef des Kollegiums im Landeskirchenamt.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte mit Blick auf die Corona-Pandemie und nötige Umbrüche in der Kirche, Latzel übernehme seine wichtige Aufgabe in einer schwierigen Zeit. Er sei "sicher, dass der neue Präses mit seiner langjährigen Erfahrung in der evangelischen Kirche die vor ihm liegenden gesellschaftlichen Herausforderungen sehr engagiert angehen wird, damit die Kirche für viele Menschen ein Ort der Hoffnung bleibt". Er freue sich auf die persönlichen Begegnungen und Gespräche und eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der rheinischen Kirche. Laschet dankte zugleich Rekowski "sehr herzlich für seinen großen Einsatz zum Wohl der Menschen".

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) würdigte Latzel als Persönlichkeit, die "über reiche Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik verfügt", auch sie dankte Rekowski. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) äußerte die Erwartung, dass Latzel "seine Erfahrungen als Direktor der Evangelischen Akademie in Frankfurt in sein neues Amt einbringen" werde.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würdigte Latzels bisherige Arbeit, die geprägt sei "von vielfältigen Impulsen und guten Ideen zu den notwendigen Reformprozessen in der evangelischen Kirche".

Zum neuen Finanzchef wählte die Synode den Juristen Henning Boecker - er folgt auf Bernd Baucks, der nicht mehr kandidiert hatte. Zudem bestätigten die Synodalen die Theologin Henrike Tetz als Oberkirchenrätin und Leiterin der Abteilung Erziehung und Bildung. Darüber hinaus wurden fünf nebenamtliche Mitglieder der Kirchenleitung gewählt. Die Einführung der neuen Amtsträger ist für den 20. März geplant.

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