Boko Haram bekennt sich zu Entführung nigerianischer Schüler

Boko Haram bekennt sich zu Entführung nigerianischer Schüler
Mögliche Gespräche über Freilassungen
Die islamistische Miliz Boko Haram zeigt einmal mehr ihre ganze Grausamkeit. In Nigeria entführten die Fanatiker Hunderte Schüler. Im benachbarten Niger töten sie knapp 30 Menschen und verwüsten eine Stadt.

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram hat sich einem Medienbericht zufolge zur Entführung Hunderter Schüler in Nigeria bekannt. Das nigerianische Onlinemagazin "Daily Nigerian" erhielt am Dienstag nach eigenen Angaben eine Audiobotschaft, die dem Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau zugeschrieben wird. Darin sagte er, die Jungen seien entführt worden, weil die Schule nicht die Lehre des Propheten verkündet habe und den Islam damit zerstöre. Bei dem Angriff auf die Schule in der Stadt Kankara im Norden des Landes waren am Wochenende wahrscheinlich mehr als 800 Kinder entführt worden, von denen viele weiter vermisst werden.

Aber auch im benachbarten Niger hat die Terrorgruppe erneut Verbrechen begangen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR prangerte einen brutalen Angriff vom Wochenende mit vielen Toten und Verletzten in der Stadt Toumour an der Grenze zu Nigeria an. Demnach töteten Milizionäre am Samstag 28 Menschen. Mehrere Hundert Bewohner wurden bei dem vierstündigen Angriff verletzt, bei dem die Terroristen fast zwei Drittel der Unterkünfte in der Stadt zerstörten, den Markt niederbrannten und mehr als Tausend Stück Vieh töteten. Toumour beherbergt den Angaben nach 20.000 Flüchtlinge aus Nigeria sowie Tausende Binnenflüchtlinge.

In der Aufnahme von Boko-Haram-Chef Shekau sagte er dem Bericht zufolge, die Attacke auf die Schule habe zum Ziel gehabt, den Islam zu fördern und "unislamische Methoden" zu verhindern. Westlich-orientierte Bildung verstoße gegen die Lehre von Allah und des Propheten. Die Terrorgruppe, die sich als Teil des sogenannten Islamischen Staats versteht, ist seit 2009 im Norden Nigerias aktiv und will nach eigenen Angaben dort einen Gottesstaat errichten. Die Miliz hatte Beobachtern zufolge jüngst ihre Präsenz im Bundesstaat Katsina verstärkt, in dem die überfallene Schule liegt.

Der Gouverneur von Katsina, Aminu Bello Masari, erklärte am Montagabend, die Entführer hätten Kontakt zur Regierung aufgenommen und es fänden Gespräche über die Freilassung der Schüler statt. Mit wem die Regierung verhandelt, teilte Masari nicht mit. Medienberichten zufolge hatten rund 100 bewaffnete Kämpfer die Schule in der Nacht zum Samstag gestürmt. Mindestens 333 Schüler werden noch vermisst.

Boko Haram hat nach Schätzungen von Unicef seit 2013 mehr als 1.000 Kinder in Nigeria entführt. Am 14. April 2014 hatte die Terrorgruppe 276 Schülerinnen aus einer Schule im Ort Chibok im Norden des Landes verschleppt und damit weltweit für Schlagzeilen gesorgt. 57 Mädchen konnten seither fliehen, 107 wurden befreit, von den anderen 112 fehlt noch immer jede Spur.

epd bdr/her nam