Suspendierter Pastor muss sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten

Suspendierter Pastor muss sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten
Angeklagter soll fingierte Belege eingereicht haben
Wegen gefälschter Quittungen und Rechnungen steht ab Januar in Hildesheim ein Pastor vor Gericht. Die Unregelmäßigkeiten kamen Stück für Stück ans Licht. Sein Dienstvorgesetzter zeigt sich fassungslos.

Ein suspendierter evangelischer Pastor muss sich von Januar an vor dem Landgericht Hildesheim wegen gewerbsmäßigen Betrugs sowie gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 163 Fällen verantworten. Dem 61-Jährigen wird laut Anklage vorgeworfen, fingierte Quittungen und Rechnungen eingereicht zu haben, wie das Gericht am Montag mitteilte. Der Schaden belaufe sich auf mehr als 52.000 Euro. Einen Teil dieser Summe soll der Pastor bereits zurückgezahlt haben. (AZ: 20 KLs 12 Js 18186/17)

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, von September 2012 bis Dezember 2016 in seiner Funktion als Pastor einer evangelischen Kirchengemeinde in Eime bei Hildesheim sowie als Vorstandsmitglied des Kirchenverbandes gefälschte Quittungen beim Kirchenamt Hildesheim eingereicht zu haben. Ziel des Pastors war es der Anklage zufolge, sich eine dauerhafte zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen.

Die Anschaffung der in den Rechnungen aufgeführten Gegenstände und Leistungen soll weder durch einen Beschluss des Kirchenvorstands gedeckt noch für den Kirchenverband bestellt worden sein. Der Angeklagte habe die entsprechenden Belege in zumeist dreistelliger Höhe unter anderem am Computer selbst hergestellt und die Unterschriften gefälscht.

Der Angeklagte war zuletzt Pastor in der Kirche St. Martin in Seelze bei Hannover. Er wurde nach Angaben seines Vorgesetzten, Superintendent Karl-Ludwig Schmidt, aus Hannover bereits 2017 nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe suspendiert und erhält seitdem nur gekürzte Bezüge. Herausgekommen seien die Unregelmäßigkeiten Stück für Stück, weil "es irgendwann auffiel, dass es Rechnungen für Dinge gab, die gar nicht existierten", sagte Schmidt. Bei einer internen Rechnungsprüfung sei dann immer mehr ans Tageslicht gelangt.

Der Superintendent zeigte sich fassungslos über die Vorwürfe. "Er war nur kurz, etwa ein halbes, dreiviertel Jahr, bei uns, aber er war sehr beliebt", sagte Schmidt über den Angeklagten. "Keiner hier konnte sich vorstellen, dass so etwas möglich sein kann."

Seelze ist Schmidt zufolge die Heimat des Angeklagten. "Er ist hier groß geworden, sein kürzlich verstorbener Vater war hier Diakon." Für die Kirchengemeinde sei die Situation sehr schwierig. Durch die langen Ermittlungen sei ein Schwebezustand entstanden, der für alle belastend sei, insbesondere für den jetzigen Pastor.

Die Hauptverhandlung vor der neunten großen Strafkammer des Landgerichts soll am 20. Januar 2021 beginnen. Bis Mai kommenden Jahres sind 17 Fortsetzungstermine angesetzt. Für den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit gewerbsmäßiger Urkundenfälschung sieht das Gesetz pro Einzeltat eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

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