EKD-Ratsvorsitzender: Corona zeigt, wie verletzlich wir sind

EKD-Ratsvorsitzender: Corona zeigt, wie verletzlich wir sind

Die Corona-Pandemie führt den Menschen nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ihre Verletzlichkeit klar vor Augen. In einem Fernsehgottesdienst zum Totensonntag, den das ZDF live aus der Johanniskirche in Eltville-Erbach im Rheingau übertrug, zog der bayerische Landesbischof als Lehre aus der Pandemie, "dass wir nicht die Kontrolle über alles haben". Auch mit unseren materiellen und technischen Möglichkeiten seien nicht alle Probleme zu lösen. "Wir haben in diesem Pandemie-Jahr erlebt, wie das Alte weggebrochen ist, wie ein ganzes Lebensgefühl ins Wanken geraten ist", sagte Bedford-Strohm laut Predigttext.

Hoffnung gibt nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden das Wort aus der Johannes-Offenbarung "Gott wird abwischen alle Tränen". Diese Bibelstelle sei für ihn ein "Wegweiser in diesen Pandemie-Zeiten". Viele Menschen hätten in diesen Tagen Tränen vergossen, erklärte der Theologe. Er nannte "Tränen der Trauer" um einen lieben Menschen, "Tränen der Verzweiflung" angesichts der Kontaktbeschränkungen, aber auch "Tränen des Zorns" wegen eines Begräbnissse, bei dem Freunde und Verwandte nicht Abschied nehmen konnten. Aber Gott sage dazu: "Siehe, ich mache alles neu."

Weil niemand wissen könne, was nach dem Tod sei, erlaube das Johannes-Wort den Menschen, sich davon zumindest ein Bild zu machen. "Ich lerne die Leere auszuhalten", stellte Bedford-Strohm fest. "In die Trauer mischt sich, anfangs zaghaft, dann immer mehr, Dankbarkeit für das, was war." Die Johannes-Offenbarung öffne "den Horizont für das Neue schon jetzt." Jeder Mensch könne sich darauf verlassen, "dass Gott dir Kraft gibt, wenn Du sie brauchtst".

Mit dem Totensonntag endet das Kirchenjahr. Neben dem Andenken an die Verstorbenen wird an diesem Sonntag in vielen evangelischen Gottesdiensten auch zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermutigt. An dem Gedenktag, der auch als Ewigkeitssonntag bekannt ist, sollen Menschen Trost finden, wenn im vergangenen Jahr der Verlust eines Angehörigen oder eine Trennung zu beklagen war. In diesem Jahr wollten die evangelischen Kirchen den Feiertag insbesondete dazu nutzen, der an Covid-19 gestorbenen Menschen zu gedenken.

Wegen der verschärften Corona-Regelungen finden bis Ende Januar nahezu alle ZDF-Fernsehgottesdienste wieder in der Rhein-Main-Region statt. So sollen weitere Gottesdienste neben Eltville-Erbach aus Ingelheim, Wiesbaden und Frankfurt übertragen werden. Einzige Ausnahme ist bis jetzt der Neujahrsgottesdienst aus der Dresdner Frauenkirche. Während der ersten Phase der Kontaktbeschränkungen waren im April alle evangelischen ZDF-Fernsehgottesdienste aus der Ingelheimer Saalkirche gesendet worden.

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