Diözesanrat kritisiert Kurs Woelkis bei Aufarbeitung von Missbrauch

Diözesanrat kritisiert Kurs Woelkis bei Aufarbeitung von Missbrauch

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln hat deutliche Kritik am Kurs der Bistumsleitung bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch geäußert. Die Wahrheit müsse jetzt auf den Tisch gelegt werden, verlangte der Vorstand des Diözesanrates am Freitag in Köln. Es müsse der Weg freigemacht werden "für Gerechtigkeit und einen Neuanfang".

Das Erzbistum scheine nicht in der Lage zu sein, die Fälle so aufzuarbeiten oder aufarbeiten zu lassen, dass "Täter und Vertuscher endlich klar benannt werden", beklagte die Vertretung der katholischen Laien. Dadurch liege "vieles in Scherben", die Kirche habe an Glaubwürdigkeit verloren. Der Diözesanrat verlangte personelle Konsequenzen für Täter und Mitwisser, ihre Namen müssten offengelegt werden.

Nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche im Herbst 2018 hatte Erzbischof Rainer Maria Woelki eine Münchener Anwalts-Kanzlei mit der Untersuchung für das Erzbistum beauftragt. Die Untersuchung sollte Personal- und sonstige Akten darauf durchleuchten, ob die damaligen Verantwortlichen gegen staatliches oder kirchliches Recht verstoßen haben. Die Veröffentlichung war ursprünglich bereits für März geplant. Ende Oktober teilte das Erzbistum mit, dass die unabhängige Untersuchung von einem anderen Gutachter neu aufgerollt und die erste Untersuchung nicht veröffentlicht werde.

Der Diözesanrat forderte, die Mitglieder des Betroffenenbeirats "in ihrem Auftrag und Anliegen" ernst zu nehmen. Den von sexuellem Missbrauch Betroffenen gehe es weniger um juristische Standpunkte als vielmehr um die klare Benennung der Schuldigen. Den Opfern müsse eine angemessene finanzielle Wiedergutmachung gewährt werden, deutlich über die bisher angebotenen Summen hinaus. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sich im September auf Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro verständigt, die von Opfern beantragt werden können.

Von Kardinal Woelki und der Bistumsleitung fordert der Diözesanrat zudem, in einem Pontifikalamt im Kölner Dom ein Schuldbekenntnis abzulegen. Man habe jedoch Zweifel, ob "aus dem System der herrschenden Bistumsleitung heraus" ein Neuanfang zugunsten von Aufklärung, Recht und Gerechtigkeit möglich sei. Der Vorstand der Laien-Vertretung brachte in diesem Zusammenhang die Installierung einer von der Kirche unabhängigen Wahrheitskommission ins Gespräch.