Forscher betont Einfluss deutschstämmiger Amerikaner bei US-Wahl

Forscher betont Einfluss deutschstämmiger Amerikaner bei US-Wahl
06.11.2020
epd
epd-Gespräch: Christine Süß-Demuth

Mannheim (epd). Der Einfluss deutschstämmiger Amerikaner auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen wird nach Ansicht des Migrationsforschers David Hünlich unterschätzt. Als typische Wechselwähler seien sie in den stark umkämpften Staaten des Mittleren Westens genauso relevant wie etwa die kubanisch-stämmigen Wähler in Florida, sagte Hünlich, der Mitautor einer Studie zum Wahlverhalten der Deutsch-Amerikaner in den USA ist. In den Vereinigten Staaten haben Hünlich zufolge rund 44 Millionen Menschen deutsche Wurzeln.

Diese Gruppe habe 2016 dem Republikaner Donald Trump den Weg ins Weiße Haus geebnet, sagte der Mitarbeiter des Instituts für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). 2008 hatte sie den Demokraten Barack Obama unterstützt. Dies zeigten die Wahlbewegungen in sogenannten Swing-States, wie etwa Pennsylvania, Wisconsin oder Michigan. Dorthin waren vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Millionen Deutsche ausgewandert.

Es wäre nichts Ungewöhnliches, wenn sie diesmal mehrheitlich wieder für den Demokraten Joe Biden gestimmt hätten, sagte Hünlich. Anders als 2016 gebe es diesmal im "German Belt" - einem Gebiet zwischen Pennsylvania im Osten und Oregon im Westen mit starker deutschstämmiger Besiedlung - eine starke Polarisierung zwischen den Wählern auf dem Land und in der Stadt, wie eine erste von ihm selbst erstellte Analyse zeige.

Während in ländlichen geprägten Gebieten noch mehr Menschen mit deutschen Wurzeln für Trump stimmten als bei der letzten Wahl, hätten sie ihm in den Städten ihre Unterstützung versagt. Ein Grund sei, dass es Trump nicht geschafft habe, bei innerstaatlichen Krisen schnell zu deeskalieren. Als Beispiel nannte Hünlich etwa die Unruhen im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung.

Traditionell seien für die Amerikaner mit deutschen Wurzeln vor allem wirtschaftliche Fragen und eine Politik des Isolationismus wichtig, die staatliche Eigeninteressen betone sowie ein Heraushalten aus internationalen Konflikten. Deshalb sei 2016 Trumps Politik des "America First" ("Amerika zuerst") gut angekommen. Das gelte auch für den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen und dem Freihandelsabkommen Nafta oder das Aufkündigungen des Atomabkommens mit dem Iran.

Von Politik und Medien werde das spezifische Wahlverhalten unterschiedlicher europäischer Einwanderergruppen noch zu wenig beachtet, kritisierte Hünlich. Deshalb seien viele Wahlprognosen auch dieses Mal fehlerhaft gewesen. Die Wahlen von 2016 und 2020 hätten gezeigt, dass eine Einteilung in "Whites", "Blacks" oder "Hispanics" (Weiße, Schwarze und hispanische Amerikaner) viel zu unscharf sei, um genaue regionale Vorhersagen zu treffen.