Experte: Neue Medien mit Risiken und Chancen für Erinnerungskultur

Experte: Neue Medien mit Risiken und Chancen für Erinnerungskultur

Die neuen Medien bieten nach Ansicht des Historikers Nico Nolden von der Universität Hannover große Gefahren, aber auch große Gestaltungschancen für die Erinnerungskultur. "Instagram ist nicht per se schlechter als das Buch", sagte Nolden am Mittwochabend in einer Podiumsdiskussion der CDU-nahen Unionsstiftung in Saarbrücken. Auch bei Videospielen gebe es gute und schlechte Beispiele im Sinne der Erinnerung.

Nolden sowie die beiden mitdiskutierenden Expertinnen, die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann von der Uni Konstanz und Sabine Graf von der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes, waren sich einig, dass Erinnerungskultur immer von der jungen Generation gestaltet werden müsse. Der Historiker betonte, jede Generation habe ihre eigenen Medien. Für junge Menschen laufe Erinnerungskultur eher über Videospiele als über Ringvorlesungen. Wenn sich Rechtsradikale heutzutage die neuen Medien zunutze machten, so sei das auch die Schuld der älteren Erinnerungsarbeiter, die die jungen Menschen nicht genug begleiteten.

Kulturwissenschaftlerin Assmann erklärte, Erinnerung finde regional, vor allem in den Städten, statt. Entsprechend seien auch die Themen sehr verschieden. Historiker Nolden ergänzte, dass in Hamburg die Geschichte des Hafens eine große Rolle spiele, im Saarland der Bergbau. "Es gibt nicht 'die' Erinnerungskultur", betonte er.

Nach den Worten Assmanns gibt es zudem ganz unterschiedliche Zugänge zwischen Ost- und Westdeutschen zu Nationalsozialismus und Faschismus. Während es in der DDR das zentrale Thema gewesen sei, so sei dies in der Bundesrepublik lange nicht präsent gewesen. In der DDR sei dagegen die Frage nach den jüdischen Opfern vernachlässigt worden.

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