Evangelische Altenarbeit fordert einen Ruck für die Pflege

Evangelische Altenarbeit fordert einen Ruck für die Pflege
Der Evangelische Verband für Altenarbeit wünscht sich eine gemeinsame Kraftanstrengung, um ein im Grundgesetz garantiertes Recht auch für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu verwirklichen: gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land.

Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege verlangt gleichwertige Lebensverhältnisse für pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Es gebe trotz der bundesweit einheitlichen Pflegeversicherung große Unterschiede in der Versorgung, der Infrastruktur, bei den Preisen und bei den Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, kritisierte der Verband (Devap) am Donnerstag in Berlin. Dieser Missstand müsse beendet werden, forderte der Vorsitzende Bodo de Vries und warb für eine umfassende Strukturreform.

Im einzelnen müsse die Politik dafür sorgen, dass Heimbewohner überall einen festgeschriebenen und gleich hohen Eigenanteil zahlen, fordert der Verband. Gegenwärtig weichen die selbst zu zahlenden Preise für einen Heimplatz um fast 1.000 Euro voneinander ab zwischen dem günstigsten Bundesland Sachsen-Anhalt und dem teuersten Land Nordrhein-Westfalen.

Weiter fordert der Devap die Bundesländer auf, endlich ihrer Verpflichtung nachzukommen, eine ausreichende stationäre und ambulante Pflege-Infrastruktur zu schaffen. Stattdessen hätten die meisten Länder die Förderung zurückgefahren oder ganz eingestellt. Die Last trügen Familien und Pflegebedürftige. Heimbewohner hätten allein in den vergangenen zehn Jahren rund 39 Milliarden Euro an Investitionskosten für Heimplätze bezahlt, rechnet der Devap vor.

Neben den erforderlichen Investitionen in stationäre Einrichtungen müssten die ambulanten Angebote in den Kommunen ausgeweitet und besser an die Bedürfnisse der alten Menschen und ihrer Angehörigen angepasst werden. Wo früher ein Spielplatz nötig gewesen sei, müsse es heute vielleicht einen Mittagstisch für Senioren geben, sagte de Vries.

Kritisch sieht der Verband auch den Personalmangel in der Altenpflege und die von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Personalausstattung. Er fordert die Einführung des bundesweit einheitlichen Personalbemessungssystems, das an der Universität Bremen entwickelt worden ist. In der Folge würde die Arbeit in Einrichtungen und Pflegediensten stärker an den Bedürfnissen der alten Menschen ausgerichtet und zwischen Fach- und Hilfskräften anders verteilt, so der Devap. Die Finanzierung von inzwischen insgesamt 33.000 zusätzlichen Stellen in der Altenpflege sei ein Anfang, reiche aber nicht aus, sagte de Vries.

Der Devap erhofft sich eine kollektive Anstrengung von Politik und Verbänden, um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in der Pflege zu verbessern und anzugleichen. Das Strategiepapier, das neben den Forderungen auch einen Zeitplan zur Umsetzung bis 2025 enthält, soll nun unter anderem mit den Fachpolitikern der Bundestagsfraktionen diskutiert werden.

Eine Begrenzung der Eigenanteile für Heimbewohner wird seit Jahren von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, Pflege-Experten und inzwischen auch von den Bundesländern gefordert. Die hohen Preise führen dazu, dass fast ein Drittel der Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Reform der Pflegefinanzierung angekündigt, bisher aber keine Einzelheiten bekanntgemacht.

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