Bergmann-Pohl: Ostdeutsche sollen mehr Verantwortung übernehmen

Bergmann-Pohl: Ostdeutsche sollen mehr Verantwortung übernehmen

Zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit hat die letzte Volkskammerpräsidentin der DDR, Sabine Bergmann-Pohl (CDU), anhaltende Kritik am Tempo der Wiedervereinigung zurückgewiesen. Mit den bruchartigen Veränderungen seien die Menschen aus der DDR 1990 zwar in die Freiheit entlassen worden, ohne darauf vorbereitet zu sein, sagte Bergmann-Pohl dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag). Sie könne jedoch inzwischen "nicht mehr hören, es hätte damals langsamer gehen müssen".

Nach 30 Jahren müssten die Ostdeutschen "eigentlich gelernt haben, dass Demokratie und Freiheit etwas mit Selbstverantwortung zu tun hat", sagte die frei gewählte frühere DDR-Parlamentspräsidentin: "Das wünsche ich mir mehr bei meinen ostdeutschen Brüdern und Schwestern."

Dass Ostdeutsche heute der Demokratie gegenüber skeptischer eingestellt seien als Westdeutsche, liege an der DDR-Sozialisation, die bis heute an Kinder weitergegeben werde, sagte Bergmann-Pohl: "Die DDR, das ist wie mit einem verstorbenen Ehemann, der zu Lebzeiten schrecklich war, aber immer netter wird, je länger er tot ist."

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, bei den Verhandlungen zur Wiedervereinigung 1990 seien ostdeutsche Erfahrungen nicht ausreichend berücksichtigt worden. "Wir haben nicht hinreichend verstanden, was für ganz andere Erfahrungen die Ostdeutschen hatten", sagte Schäuble dem "Tagesspiegel". Die westdeutsche Perspektive sei sehr stark auf die eigenen Erfahrungen ausgerichtet gewesen, sagte Schäuble: "Bei uns hat die Demokratie ja wunderbar funktioniert."

Der Tag der Deutschen Einheit wird am 3. Oktober gefeiert.

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