Kardinal von Amt entbunden - Finanzskandal als Hintergrund vermutet

Kardinal von Amt entbunden - Finanzskandal als Hintergrund vermutet

Papst Franziskus hat den drei Jahre vor Erreichen der Altersgrenze eingereichten Rücktritt des Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Giovanni Angelo Becciu, angenommen. Der Behördenleiter habe gleichzeitig auf die mit dem Kardinalstitel verbundenen Rechte verzichtet, teilte der Vatikan am Donnerstagabend mit. Die Kardinalswürde wird auf Lebenszeit verliehen.

Hintergrund der ungewöhnlichen Entscheidung sind italienischen Medienberichten zufolge dubiose Finanztransaktionen beim Erwerb einer Luxusimmobilie in London. Einem beteiligten Finanzdienstleister für Aktienhandel wirft die Vatikanjustiz Erpressung, Veruntreuung, schweren Betrug und Geldwäsche vor. Bereits im Oktober vergangenen Jahres waren im Zusammenhang mit dem Kauf der Immobilie an der Sloane Avenue in London im Vatikan hochrangige Mitarbeiter des Staatssekretariats und der Finanzaufsicht vom Dienst suspendiert worden, darunter auch der damalige Leiter der Finanzaufsicht, Tommaso Di Ruzza.

Für den Erwerb der Immobilie im Londoner Luxusviertel Chelsea über einen Investmentfonds soll ein überhöhter Preis von 200 Millionen Dollar gezahlt worden sein. In der ehemaligen Kaufhausfiliale sollten angeblich Luxuswohnungen entstehen. Die fraglichen Finanzgeschäfte sollen getätigt worden sein, als das zuständige Büro des Staatssekretariats dem später zum Präfekten der Heiligsprechungskongregation beförderten Kardinal Angelo Becciu unterstand.

Becciu ist der dritte Purpurträger, der unter dem amtierenden Papst auf die damit verbundenen Rechte und Pflichten wie die Teilnahme am Konklave, der Papstwahl, und Versammlungen der Kardinäle als engstem Beratergremium des Papstes, vorzeitig verzichtet oder davon ausgeschlossen wird. Für vatikanische Behördenleiter gilt eine Altersgrenze von 75 Jahren. Am Konklave nehmen sie bis zu ihrem 80. Geburtstag teil. Becciu reichte sein Rücktrittsgesuch im Alter von 72 Jahren ein. Häufig bleiben Kardinäle und Bischöfe über die Altergrenze hinaus im Amt.

Die römische Tageszeitung "La Repubblica" berichtete im Zusammenhang mit der Annahme von Beccius Rücktritt, dieser habe in seiner Zeit im Staatssekretariat überdies Gelder aus dem weltweit von Gläubigen gespendeten Peterspfennig in spekulative Fonds und von seinen Brüdern geleitete Kooperativen in seiner sardischen Heimat investiert.

Meldungen

Top Meldung
Menschen mit Schutzmasken beim U-Bahn fahren
Die Theologin Margot Käßmann hat angesichts steigender Corona-Zahlen dazu aufgerufen, noch intensiver füreinander einzustehen und mehr Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.