Bill Gates hofft auf Herdenimmunität durch Impfungen gegen Corona

Bill Gates hofft auf Herdenimmunität durch Impfungen gegen Corona
Im Kampf gegen Corona setzt der Microsoft-Gründer Bill Gates auf Impfstoffe, die er Anfang 2021 erwartet. Doch es wird eine große Aufgabe sein, genug Dosen herzustellen. Gates hofft, dass sich ohne Zwang 60 Prozent der Menschen impfen lassen.

Bill Gates erwartet einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes für Anfang des kommenden Jahres. "Bild live" sagte Gates am Montagabend, er rechne damit, dass "mit etwas Glück" im ersten Quartal drei oder sogar vier Impfstoffe zugelassen werden. Es werde dann aber die Herausforderung sein, das Mittel in Massen herzustellen, fügte der Microsoft-Gründer hinzu, der vor 20 Jahren die Globale Impfallianz (Gavi) ins Leben gerufen hat.

"Um den Impfstoff sieben Milliarden Menschen zur Verfügung zu stellen, brauchen wir fast 14 Milliarden Dosen. Das wurde zuvor noch nie gemacht", sagte Gates. Er sprach von einer Notfallmaßnahme, die ganz neue Strategien erfordere. Im Interview mit "Spiegel Online" (Dienstag) warb der Milliardär für eine Impfung gegen das Coronavirus. "Ich hoffe, wir können eine Herdenimmunität schaffen, indem wir 60 oder 70 Prozent der Bevölkerung impfen", sagte Gates. "Ich hoffe, dass Regierungen in der Lage sind, genügend Bürger auch ohne Impfzwang von einer Impfung zu überzeugen, denn so etwas führt zu dieser enormen Gegenreaktion", fügte er mit Blick auf Impfgegner hinzu.

Auf die Frage, ob er sich selbst impfen lassen würde, sagte der 64-Jährige: "Ich werde mich sicherlich nicht vordrängeln, wenn der Impfstoff knapp ist." Er werde nach den Kriterien und Daten entscheiden. "Es gibt ganz viele Menschen, für die es viel wichtiger ist, schnell geimpft zu werden, als für mich - Gesundheitspersonal, Menschen, die in Pflegeheimen oder Gefängnissen arbeiten, Menschen, die in Mehrgenerationen-Haushalten leben."

Nach einem Bericht der Gates-Stiftung hat die Corona-Pandemie zu enormen wirtschaftlichen und sozialen Rückschlägen geführt. So habe die extreme Armut um sieben Prozent zugenommen, und die Versorgung mit Impfstoffen sei auf einen Stand wie in den 1990er Jahren gefallen.

Die von Gates initiierte Gavi ist eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sich Regierungen, Pharmakonzerne, private Geber, Unicef, die Weltgesundheitsorganisation und die Weltbank zusammenschlossen. Ziele sind, Impfstoffe kostengünstig zur Verfügung zu stellen und den Auf- und Ausbau von Gesundheitssystemen zu unterstützen. So wurden etwa Impfstoffe gegen Ebola, Cholera, Hirnhautentzündung und Gelbfieber finanziert. Bisher wurden dafür rund 21 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Deutschland förderte Gavi bisher mit insgesamt knapp 905 Millionen Dollar. Die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung ist mit einem Sechstel des Budgets zweitgrößter Geber nach Großbritannien.

Aufgrund seines finanziellen Engagements steht Gates im Zentrum von Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie. Bei "Bild live" sagte er: "Ich finde, dass es irgendwie ironisch ist, dass ich anmahnte, auf diese Pandemie vorbereitet zu sein - und jetzt gibt es Leute, die sagen, ich sei dafür verantwortlich." Ihm gehe es darum, Leben zu retten. "Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, und es ist wichtiger als je zuvor, sich mit den Tatsachen und der Wahrheit auseinanderzusetzen", sagte er.

epd kfr/et mih

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