Angeklagte sagen im zweiten Prozess zur "Gruppe Freital" aus

Angeklagte sagen im zweiten Prozess zur "Gruppe Freital" aus
In Dresden stehen seit Montag vier mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der Terrorgruppe Freital vor Gericht. Die Angeklagten beantworten zwar viele Fragen, wiegeln ihre Verantwortung jedoch ab.

Mit der Befragung zweier Angeklagter ist der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der rechtsterroristischen "Gruppe Freital" am Freitag in Dresden fortgesetzt worden. Seit Montag müssen sich vor dem Oberlandesgericht (OLG) drei Männer und eine Frau im Alter von 27 bis 53 Jahren verantworten. Ihnen wird laut Anklage die Beteiligung an Straftaten beziehungsweise die Unterstützung der Terrorgruppe vorgeworfen (4 St1/20). In einem Fall besteht der Tatvorwurf der Beihilfe zum versuchten Mord.

Der zweite Prozesstag am Freitag begann mit der weiteren Befragung der 31-jährigen Angeklagten, die als damalige Freundin eines führenden Mitglieds der Terrorgruppe unterstützend agiert haben soll. Auf Nachfrage gab sie zu, dass sie von Pyrotechnik, die die Gruppe beschafft hatte, wusste und auch, dass Böller zum Einsatz kommen sollten.

Die Angeklagte hat laut eigener Aussage 2015 bei einem Fotoshooting teilgenommen, bei dem NS-Symbole wie die Hakenkreuzfahne und der Hitlergruß gezeigt wurden. Im Vorfeld will sie davon nichts gewusst haben, sondern sie habe von dem geplanten Fototermin erst am selben Abend erfahren.

Für sie seien NS-Symbole damals Ausdruck gewesen, ihre Ablehnung gegenüber Geflüchteten zu zeigen, sagte sie vor Gericht. Wichtig sei für die Gruppe "der Zusammenhalt und der Nationalstolz" gewesen. Sie habe sich zwar damals mit NS-Symbolen identifiziert", aber "nicht so reflektiert", wofür diese stehen. Ihr damaliger Freund wurde im März 2018 als ideologischer Kopf der Terrorgruppe zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Ablösung von der Gruppe sei für sie ein längerer Prozess gewesen. "Die Phase ist für mich erledigt", sagte die Angeklagte, vor allem seit der Trennung von ihrem damaligen Freund im April 2018. Inzwischen sei sie mit einem anderen Mann verheiratet.

In dem ersten Prozess zur Freitaler Terrorgruppe waren acht Personen zu teils hohen Haftstrafen verurteilt worden. Ziel der "Gruppe Freital" waren Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte sowie auf politisch Andersdenkende.

Am Freitag hat außerdem vor dem Oberlandesgericht ein ehemaliger Freitaler NPD-Stadtrat ausgesagt, angeklagt als mutmaßliches Mitglied der "Gruppe Freital". Er will laut eigenen Angaben von den geplanten Sprengstoffanschlägen der Gruppe nichts gewusst haben, obwohl er in einem der sogenannten Schwarzen Chats gewesen sei. "Ich hatte nicht gedacht, dass sie soweit gehen", sagte er.

Die Inhalte der Chatgruppen habe er nur teilweise gelesen und sich an der Diskussion nur sporadisch beteiligt. An persönlichen Gesprächen und Treffen etwa zur Planung von Straftaten habe er nicht teilgenommen, sagte er. Seine Verbindung zur Gruppe begründete er damit, dass er sich damals habe "mitreißen lassen". Er sei durch Falschberichterstattung desinformiert worden, die in ihm Ängste geschürt habe.

Der Prozess sollte am Nachmittag mit der weiteren Befragung des früheren Stadtrates fortgesetzt werden. Auch der vierte Angeklagte, der 2015 an einem der Sprengstoffanschlage beteiligt gewesen sein soll, will nach eigenen Angaben in Prozess noch aussagen. Verhandlungstermine sind vorerst bis Januar 2021 angesetzt.