"Ikone der Abscheu"

"Ikone der Abscheu"
Gedenken an Mauerbau vor 59 Jahren
28 Jahre trennten die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze die Stadt und das Land. Beim Gedenken an den Mauerbau vor 1961 und ihre Opfer sprach der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, von einer "Ikone der Abscheu".
13.08.2020
Von Markus Geiler (epd)
epd

Berlin (epd). Mit Veranstaltungen in Berlin und mehreren ostdeutschen Bundesländern ist am Donnerstag an den Bau der Berliner Mauer vor 59 Jahren und die Opfer der deutschen Teilung erinnert worden. Die zentrale Gedenkveranstaltung von Bund und Land fand an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße statt. Daran nahmen unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Ralf Wieland (SPD) teil.

Bei der Andacht in der Kapelle der Versöhnung sprachen neben dem Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, als Zeitzeugen die Pfarrer Werner Krätschell und dessen Sohn Joachim Krätschell. Klausmeier nannte die Mauer eine "Ikone der Abscheu", die vom 13. August 1961 bis zu ihrem Sturz am 9. November 1989 exakt 10.315 Tage Stadt und Land voneinandertrennte.

Der frühere Ost-Berliner Superintendent Werner Krätschell war beim Mauerbau in Schweden und kehrte trotzdem nach Ost-Berlin zurück. Für ihn hätten dann trotzdem die "28 glücklichsten Jahre" seines Lebens begonnen, weil er als Pfarrer den Menschen im Osten helfen, sie trösten und beraten konnte. Sein 1967 geborener Sohn Joachim flüchtete dagegen im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen, weil West-Berlin für ihn ein "Sehnsuchtsort" war, wie er berichtete. Er wollte "weg aus der Angst, weg aus der Enge und Kleingeistigkeit dieses schrecklichen Systems".

Berlins Regierender Bürgermeister sagte zum Gedenken, was Unfreiheit bedeute, hätten die Berlinerinnen und Berliner direkt und unmittelbar durch die Teilung der Stadt 28 Jahre lang jeden Tag direkt erfahren. Berlin sei und bleibe deshalb die Stadt der Freiheit und der Toleranz. "Das hohe Gut der Freiheit, schwer erkämpft, muss heute wieder gegen neuen Nationalismus in unserem Land und in ganz Europa verteidigt werden", mahnte Müller.

Kulturstaatsministerin Grütters lobte die Arbeit der Gedenkstätte, die mit ihren vielfältigen Vermittlungsangeboten einen wichtigen Beitrag leiste, den Wert von Demokratie und Menschenrechten auch an Generationen zu vermitteln, die keine eigenen Erinnerungen an die DDR haben.

Das traditionelle Gedenken auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße war wegen der Corona-Pandemie auf rund 20 geladene Gäste beschränkt. Darunter waren der Stadtpräsident von Poznan, Jacek Jaskowiak, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und die Mutter eines der letzten Maueropfer, Karin Gueffroy. Ihr Sohn Chris wurde am 5. Februar 1989 beim Fluchtversuch von Ost- nach West-Berlin an der innerstädtischen Mauer von DDR-Grenzern erschossen.

Mit dem Bau der schwer bewachten Berliner Mauer am 13. August 1961 durch die DDR-Regierung wurde Berlin für 28 Jahre in zwei Teile geteilt. Das Bauwerk wurde weltweit zum Symbol für den Kalten Krieg, der die Welt politisch in Ost und West spaltete. Weit über 100.000 Menschen aus der DDR versuchten zwischen 1961 und 1988 über die innerdeutsche Grenze oder über die Berliner Mauer zu fliehen. Weit mehr als 600 von ihnen wurden erschossen oder starben bei dem Fluchtversuch, davon mindestens 140 allein an der Berliner Mauer.