Bundesregierung bedauert Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee

Bundesregierung bedauert Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee
Nach einem Urteil hat der türkische Präsident Erdogan angeordnet, dass die Hagia Sophia in Istanbul künftig als Moschee genutzt wird. Dabei erheben auch Christen Anspruch auf die ehemalige Kirche. Die Bundesregierung ist besorgt über den Beschluss.

Die Bundesregierung hat ihr Bedauern über die geplante Umwandlung der Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee zum Ausdruck gebracht. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, Deutschland messe dem interreligiösen Dialog einen hohen Wert bei. Die Hagia Sophia habe große kulturhistorische und religiöse Bedeutung sowohl für das Christentum als auch für den Islam.

Der Status der ausschließlichen Nutzung des Bauwerks als Museum habe Menschen aller Glaubensrichtungen zu jedem Zeitpunkt freien Zugang "zu diesem Meisterwerk" ermöglicht, sagte der Regierungssprecher. Nun gelte es abzuwarten, wie die Ausgestaltung der Nutzung erfolgen werde. Am Freitag hatte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei die Umwandlung der Moschee in ein Museum annulliert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte im Anschluss verfügt, dass am 24. Juli erstmals offiziell islamische Gebete in der Hagia Sophia abgehalten werden sollen.

Ein Außenamtssprecher äußerte am Montag sein Bedauern darüber, dass die Unesco bezüglich einer Umnutzung des Welterbes nicht konsultiert worden sei. Es sei derzeit noch unklar, wann die wegen der Corona-Pandemie abgesagte Sitzung der UN-Organisation nachgeholt werde, aber die Hagia Sophia werde dann mit Sicherheit auf die Tagesordnung kommen.

Die Hagia Sophia ist als Teil der Altstadt von Istanbul seit 1985 Unesco-Weltkulturerbe. Sowohl Christen als auch Muslime erheben Anspruch auf die ehemalige Kirche.

Der Osnabrücker Religionssoziologe Rauf Ceylan nannte die Entscheidung einen "historischen Fehler" und auch in theologischer Hinsicht fragwürdig. "Christliche Gotteshäuser sind im Islam geschützt. Für die christlich-orthodoxe Welt ist die Hagia Sophia immer noch wichtig", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Tausende Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin. Das ist ein Stich ins Herz der orthodoxen Welt."

Rein funktional sei die Entscheidung Erdogans nicht nachvollziehbar, sagte der stellvertretende Leiter des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück: "Niemand braucht diese Moschee. Direkt gegenüber befindet sich die Blaue Moschee." Zudem habe auch die Hagia Sophia Räume, die für muslimische Gebete offen stehen. Ceylan äußerte zudem die Befürchtung zudem, dass Erdogans Anweisung den Dialog von Muslimen und Christen in Deutschland belasten könnte.

Der Ostkirchen-Experte Erich Leitenberger bezeichnete die geplante Umwandlung als "traurigen Vorgang". Diese Maßnahme trage nicht dazu bei, den interreligiösen Dialog zu stärken und Vertrauen zu schaffen. Es sei jetzt eindeutig klar, dass die Hagia Sophia jetzt eine Moschee sei wie alle anderen, sagte er dem epd.

Es sei kein Zufall, dass die Verwaltung der Hagia Sophia sofort dem Diyanet, dem Präsidium für Religionsangelegenheiten in der Türkei, übergeben worden sei, erklärte Leitenberger. Man könne die Hagia Sophia zwar wie die Blaue Mosche außerhalb der Gebetszeiten besuchen. Aber nur muslimische religiöse Handlungen seien in Zukunft darin erlaubt. Leitenberger äußerte die Hoffnung, dass der religiöse Bildschmuck der Hagia Sophia erhalten bleibt und nicht abgedeckt wird.

Die Hagia Sophia wurde als "Kirche der göttlichen Weisheit" im Jahr 537 geweiht und war fast ein Jahrtausend lang die christliche Hauptkirche Konstantinopels. Als die Osmanen 1453 die Stadt eroberten, wurde sie zur Moschee umfunktioniert. 1935 wurde sie in ein Museum umgewandelt.

epd mey/cez/lnb/hei mih

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