Beratungsstelle für Prostituierte lehnt Sexkaufverbot ab

Beratungsstelle für Prostituierte lehnt Sexkaufverbot ab
11.07.2020
epd-Gespräch: Claudia Rometsch
epd

Dortmund (epd). In der Diskussion über mögliche Einschränkungen der Prostitution spricht sich die Dortmunder Mitternachtsmission gegen ein Sexkaufverbot aus. Eine solche Regelung nach schwedischem Vorbild würde die Situation der Prostituierten deutlich verschlechtern, sagte Silvia Vorhauer, Sozialarbeiterin bei der Beratungsstelle für Prostituierte, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Die Prostituierten würden dadurch gezwungen sein, in die Illegalität zu gehen."

Die Befürworterinnen des Sexkaufverbots argumentierten zwar, dass damit nur die Kunden kriminalisiert würden, während die Prostituierten straffrei blieben. Dennoch hätte ein Verbot tiefgreifende Konsequenzen für die Sexarbeiterinnen, warnte Vorhauer. "Die Arbeitsbedingungen würden sich drastisch verschlechtern. Um ihre Kunden zu schützen, hätten sie gar keine andere Möglichkeit, als in den Dunkelbereich abzutauchen."

Im Mai hatte eine Gruppe von 16 Bundestagsabgeordneten aus Union und SPD in einem Brief an die Ministerpräsidenten ein grundsätzliches Sexkaufverbot nach dem "Nordischem Modell" gefordert. Danach machen sich Freier strafbar, Prostituierte aber nicht.

"Die Prostituierten haben große Angst vor einem möglichen Sexkaufverbot", weiß Vorhauer von den rund tausend Klientinnen und Klienten, die jährlich in der Dortmunder Mitternachtsmission beraten werden - einer Einrichtung unter dem Dach der Diakonie, die von der evangelischen Kirche, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Dortmund unterstützt wird. Prostitution sei eine soziale Realität und lasse sich durch ein Verbot nicht abschaffen. Die Prostituierten würden weiterarbeiten, weil sie keine anderen Verdienstmöglichkeiten hätten.

Eine Kriminalisierung der Freier werde lediglich zur Folge haben, dass sich Prostitution künftig verstecke, sagte Vorhauer. Dadurch werde es keine Bordelle mehr geben, weil die Kunden dort damit rechnen müssten, von der Polizei aufgegriffen zu werden. "Als Folge hätten die Prostituierten dann keine geschützten Wohnungen oder Betriebe mehr für ihre Tätigkeit." Das setze sie einer erhöhten Gefahr aus, Opfer von Gewalt zu werden oder in die Fänge von Tätern zu geraten, die ihre Situation ausnutzen. Durch das Abtauchen in die Illegalität würde es für Prostituierte künftig auch schwieriger, Hilfe zu suchen.

Schweden hatte 1999 als erstes EU-Land ein generelles Sexkaufverbot eingeführt. Mittlerweile gilt das Modell auch in Norwegen, Island, Finnland, Frankreich, Irland, Nordirland, England und Wales. Einige Studien in diesen Ländern kommen zu dem Schluss, dass das Sexkaufverbot die Prostitution erfolgreich eingedämmt habe. Die Ergebnisse sind jedoch umstritten. Vielfach wird die Datenbasis der Studien als unzureichend kritisiert.