Betroffene und Kirche machen Missbrauch durch Pastor öffentlich

Betroffene und Kirche machen Missbrauch durch Pastor öffentlich

Ein evangelischer Pastor hat nach Kirchenangaben in den 80er und 90er Jahren in der damaligen Kirchengemeinde Nenndorf bei Hamburg schweren sexuellen Missbrauch an einer früheren Konfirmandin begangen. Am Montag haben die Betroffene und Kirchenvertreter den Fall öffentlich gemacht, um eine weitere Aufarbeitung zu ermöglichen. "Der Täter war ein Serientäter", sagte die Frau, die sich Katarina Sörensen nennt, in Hittfeld im Landkreis Harburg.

Der mittlerweile verstorbene Jörg D. sei für seine engagierte Jugendarbeit bekannt gewesen, sagte Sörensen, die unter einem Pseudonym auftritt und deren Stellungnahme per Video eingeblendet wurde. "Im Rahmen dieser Jugendarbeit hat D. sexuellen Missbrauch an Schutzbefohlenen begangen, und ich bin eine von diesen Personen."

Der Missbrauch habe über Jahre angedauert, fügte sie an. Er habe zunächst etwa bei Freizeiten Grenzen allmählich überschritten, indem er Mädchen umarmte, massierte und an sich drückte. Bis zum tatsächlichen Missbrauch sei es dann kein großer Schritt mehr gewesen. Sie sei sich sicher, dass er von Anfang an geplant habe, sexuelle Übergriffe an Mädchen zu begehen. "Ich bin nicht die einzige."

Sörensen hatte 2015 zunächst Kontakt zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aufgenommen, später auch zum Kirchenkreis Hittfeld. Die Vorfälle auch vor Ort publik zu machen, erfordere viel Mut, sagte sie. Sie wolle niemanden beschuldigen. "Ich möchte, dass man hinguckt." Von der Landeskirche erhielt sie mit 35.000 Euro die nach Kirchenangaben bisher höchste Summe in Anerkennung eines Missbrauchs.

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