Europäer sehen persönliche Zukunft positiv und das Land skeptisch

Europäer sehen persönliche Zukunft positiv und das Land skeptisch
Die Einschätzung der eigenen und gesellschaftlichen Entwicklung hängt in Europa laut einer Bertelsmann-Studie offenbar vom Bildungsgrad und Alter ab. Gegen Skepsis in der Corona-Krise sollten Regierungen auf Transparenz setzen, rät die Stiftung.

Viele Europäer bewerten laut einer Studie ihre persönliche Zukunft positiv, sehen die Perspektive ihres Landes jedoch eher pessimistisch. Das trifft auf 58 Prozent der Befragten in 27 EU-Ländern zu, wie aus einer am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Eher positiv blicken jüngere und gebildetere Menschen in die Zukunft. Besonders negativ fällt die Einschätzung bei Anhängern von rechtspopulistischen Parteien aus. Angesichts der kontroversen Debatte über die Maßnahmen in der Corona-Krise sei eine transparente und klare Krisenkommunikation nötig, erklärten die Autorinnen der Studie.

Die Wahrnehmung sei offenbar weit verbreitet, dass die Gesellschaft sich im Niedergang befindet, während es einem selbst relativ gutgehen werde, heißt es in der Studie, deren Daten noch vor der Corona-Pandemie erhoben wurden. In Deutschland blicken demnach zwei von drei Bundesbürgern (65 Prozent) optimistisch auf die eigene Zukunft. Mehr als jeder zweite Deutsche (56 Prozent) sieht die Zukunft des Landes negativ. "Die Deutschen fallen durch ihr hohes Vertrauen in die eigene Kraft bei besonderer Verzagtheit hinsichtlich der Zukunft Deutschlands auf", erklärte die Studienleiterin Isabell Hoffmann. In Frankreich und Italien gibt es die höchsten Zahlen an Befragten, die sowohl ihre eigene Perspektive sowie die die ihres Landes pessimistisch einschätzen.

Jüngere Menschen bis 35 Jahren blicken der Studie zufolge deutlich positiver auf ihr eigenes Land als Menschen über 46 Jahren. Auch Studenten sind mit Blick auf die eigene Zukunft und die des Landes positiver eingestellt. Unabhängig von allen Altersgruppen schätzen Menschen mit einem hohen Bildungsniveau die eigenen Perspektive optimistischer ein, die Zukunft des eigenen Landes aber pessimistischer, erklärten die Autoren der Studie. Frauen sehen ihr eigenes Leben mehrheitlich positiv, zugleich beurteilen sie die Zukunft des eigenen Landes pessimistischer als Männer.

Ein besonders hohes Maß an persönlichem und gesellschaftlichem Pessimismus herrscht der Umfrage zufolge unter Anhängern von rechtspopulistischen Parteien und arbeitslosen Menschen. In Deutschland sehen Anhänger der AfD zu 90 Prozent die Zukunft des Landes negativ, in die eigene Zukunft blicken 66 Prozent pessimistisch.

Mögliche Gründe für die erheblichen Ängste einer großen Zahl von Menschen seien, dass ihnen viele Prozesse außerhalb ihres Alltags und Erfahrungshorizonts sehr komplex erschienen, erklärten die Studienautorinnen. Zudem hätten sie immer weniger den Eindruck, dass sie diese Prozesse beeinflussen könnten.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie könnten sich laut der Studie bei vielen Menschen die Aussichten auf die Zukunft des eigenen Landes noch stärker trüben. Auch wenn die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der jeweiligen Regierung hoch sein sollte, könnte sich der gesellschaftliche Pessimismus angesichts der persönlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise verstärken. Aufgabe der Regierungen werde es sein, die Menschen weiterhin bei den teils einschneidenden Maßnahmen mitzunehmen. Länder, die eine transparente und klare Krisenkommunikation umsetzen, überzeugten am erfolgreichsten ihre Bürger von der Notwendigkeit der Maßnahmen.

Für die repräsentative Studie wurden im Dezember 2019 in der gesamten EU mehr als 12.930 Menschen von dem Berliner Marktforschungsunternehmen Dalia Research befragt. Bei der Studie "eupinions" der Bertelsmann Stiftung werden regelmäßig Einschätzungen zu europäischen Themen unter Bürgern der EU-Mitgliedsstaaten gesammelt.

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