Islamexperte: Risikogruppen sollten im Ramadan aufs Fasten verzichten

Islamexperte: Risikogruppen sollten im Ramadan aufs Fasten verzichten
21.04.2020
epd-Gespräch: Martina Schwager
epd

Der Osnabrücker Islamexperte Rauf Ceylan hat islamische Theologen und Imame aufgerufen, krankheitsanfällige Muslime auf die Gefahren des Fastens während des am Freitag beginnenden Ramadans hinzuweisen. Sie sollten deutlich sagen, dass ältere Menschen und Angehörige von Risikogruppen in diesem Jahr nicht fasten sollten, sagte Ceylan dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zwar gelte im Islam ohnehin die Regel, dass Alte, Schwangere und Kranke davon ausgenommen seien, im Fastenmonat zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht zu essen und zu trinken. "Aber jetzt sollten auch diejenigen, die sich trotz Vorerkrankung oder fortgeschrittenen Alters eigentlich fit fühlen, lieber darauf verzichten", sagte Ceylan.

Für viele praktizierende und ältere Muslime sei es wichtig, wenn der Imam dazu eine Empfehlung abgebe. Islamische Theologen in einigen Ländern hätten sogar schon darüber diskutiert, das Fasten im Ramadan in diesem Jahr ganz zu untersagen. Tatsächlich gebe es kontroverse Ansichten darüber, ob das Fasten das Immunsystem schwäche, sagte der Leiter des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück.

Ceylan rechnet allerdings nach eigenen Worten nicht damit, dass die muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland einen vollständigen Verzicht auf das Fasten im Ramadan erklären. Umso wichtiger sei es für die Gemeinden, vor allem ältere Menschen in dieser Zeit nicht alleinzulassen. Für viele sei der Alltag in der Corona-Krise durch die Moschee-Schließungen ohnehin schon stark beeinträchtigt. "Moscheen sind bei uns auch Altenzentren mit Teestuben und Spielräumen", sagte er. "Mancher Rentner hält sich den ganzen Tag dort auf, verrichtet die Gebete und trifft sich mit anderen. Das ist jetzt schon weggebrochen."

Der Ramadan sei noch einmal mehr auf Gemeinschaft angelegt, erklärte der Religionssoziologe. Jeden Abend kämen die Muslime in den Moscheen zusammen, um gemeinsam das Fastenbrechen zu feiern, zu essen und zu beten. Andere träfen sich schon am frühen Abend mit Freunden und der Familie, um gemeinsam zu kochen: "Das alles fällt in diesem Jahr aus." Für Jüngeren und Mittelalte sei das nicht so schwer, weil sie gut über soziale Medien vernetzt seien. "Ich selbst werde bei mir zu Hause kochen und dabei per Videotelefonie mit Freunden in Kontakt sein", sagte Ceylan.

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