Soziologe: Wir können "auch ein bisschen stolz" sein

Soziologe: Wir können "auch ein bisschen stolz" sein

In der Corona-Krisenzeit können die Deutschen nach Ansicht des Soziologen Martin Schröder "bisher auch ein bisschen stolz auf sich sein". Das Land reagiere mit "Besonnenheit und Solidarität" auf die Herausforderungen, sagte der Professor an der Universität Marburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wie sich eine längere Krisensituation auf den Gemütszustand der Deutschen auswirkt, sei aber noch ungewiss.

Vor allem die wirtschaftlichen Folgen könne man nicht überblicken. Arbeitslosigkeit habe starke Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Menschen. "Es gibt kaum etwas so Schlimmes, was ein Land treffen kann, wie Arbeitslosigkeit", sagte Schröder.

Der Soziologe hat für sein gerade erschienenes Buch "Wann sind wir wirklich zufrieden?" anhand einer großen Datenmenge die Lebenszufriedenheit der Deutschen untersucht. Er zog dafür das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) heran, für das seit 1984 rund 85.000 Menschen immer wieder befragt werden. Es sei die "weltweit beste Befragung, um zu berechnen, wann Menschen zufrieden sind", sagte Schröder.

Aus den Daten lasse sich zum Beispiel schließen, dass viel Geld zu haben "überhaupt nicht wichtig" für die Lebenszufriedenheit ist: "Geld ist nur wichtig, wenn man es nicht hat." Ob jemand 3.000 oder 4.000 Euro verdiene, habe so gut wie keine Auswirkung auf seine Zufriedenheit. Ab etwa einem Nettoeinkommen von monatlich 2.000 Euro mache noch mehr Geld kaum zufriedener.

Insgesamt lasse sich an der großen Datenmenge eine Art "Zufriedenheitsformel" ablesen: Verheiratet sein mache zufriedener, auch seine Freunde öfter zu sehen. "Menschen brauchen soziale Kontakte, dabei ist nicht festgelegt, welche es sind." Besser sein zu wollen als andere hingegen scheine "nicht zu funktionieren", erklärte Schröder: "Man sollte das Leben nicht als Konkurrenzkampf sehen."