Brysch: In Corona-Krise stärker auf ambulante Versorgung schauen

Brysch: In Corona-Krise stärker auf ambulante Versorgung schauen

Patientenschützer werfen Bund, Ländern und dem Robert-Koch-Institut Versagen mit Blick auf die ambulante Versorgung von Corona-Infizierten vor. Es sei "ein Skandal sondergleichen, dass bei Altenpflegekräften, niedergelassenen Ärzten und Arzthelfern Infektionen nicht statistisch erfasst werden", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Das sei ein "Riesenfehler". Zugleich schlug er vor, nicht ausgelastetes Personal aus Kliniken bei der ambulanten Versorgung einzusetzen.

Der allergrößte Teil der infizierten Menschen in Deutschland werde nicht in Krankenhäusern behandelt, sondern außerhalb, betonte Brysch. Zurzeit gebe es jedoch keinen Überblick über die medizinische und pflegerische Basisversorgung. "Also muss die Statistik sofort auch diesen Bereich erfassen. Um die Krise zu überwinden, muss dort hingeschaut werden, wo sie bewältigt wird."

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind derzeit rund 2.300 Ärzte und Pflegekräfte mit Covid-19 infiziert. Allerdings wird dabei nur das Klinikpersonal erfasst. Die Statistik des Instituts sage "nichts über die Wirklichkeit aus", kritisierte der Patientenschützer Brysch. Wegen infizierten Personals seien bereits Hunderte von Arztpraxen geschlossen, und zahlreiche Pflegeheime hätten einen Aufnahmestopp verhängt.

Um die Versorgung sicherzustellen, müsse das in den Kliniken verfügbare Personal bei der ambulanten Versorgung und in Heimen mit anpacken, forderte Brysch. "Es ist absurd, wenn jetzt erste Krankenhäuser Kurzarbeit für ihr nicht ausgelastetes Personal erwägen. Gleichzeitig spielen sich in Altenheimen aus Personalmangel dramatische Szenen ab. Wir brauchen also Brücken statt Mauern zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung."

Konkret forderte Brysch: "Wir brauchen in jeder Kommune einen Pool, in dem Mediziner und Pfleger aus Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen mit niedergelassenen Ärzten und Altenpflegekräften zusammenarbeiten. Diese Teams müssen dorthin geschickt werden, wo die Not am größten ist."

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