Mainzer Arzt beklagt fehlende Hilfen für Obdachlose in Corona-Krise

Mainzer Arzt beklagt fehlende Hilfen für Obdachlose in Corona-Krise

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lebenssituation vieler Wohnungsloser drastisch zugespitzt. Der in Mainz ansässige Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" forderte am Montag, die Kommunen müssten dringend Pläne zur Versorgung Obdachloser mit Lebensmitteln und zur Unterbringung von Infizierten erstellen. Der Vereinsvorsitzende Gerhard Trabert sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), viele Kommunen hätten die Auszahlung von Tagessätzen an wohnungslose Hartz-IV-Empfänger eingestellt. Viele Tafeln und andere Hilfseinrichtungen seien ebenfalls geschlossen, die Wohnheime und die wenigen noch geöffneten Anlaufstellen überfüllt.

"Jetzt fallen auch noch die Einnahmen vom Betteln weg, denn die Städte sind ja leer", sagte der Arzt, der seit vielen Jahren wohnungslose Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt. Viele Wohnungslose hätten nun nichts mehr zu essen. Unter ihnen gebe es auch viele Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, was sie jetzt zu besonders gefährdeten Personen mache. Um sie zu schützen, müssten die Behörden auch Zimmer in Hotels und Jugendherbergen zur Unterbringung heranziehen, forderte Trabert. Außerdem müsse eine Lebensmittelausgabe an Notleidende organisiert werden.

Der Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" betreibt trotz der Pandemie weiter seine Ambulanz für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz in Mainz. "Wir wollen auf jeden Fall die Arbeit aufrecht erhalten", sagte Trabert. Da viele ehrenamtliche Helfer selbst schon über 60 Jahre alt sind, sei das Angebot jedoch reduziert worden. Patienten mit einer Infektionskrankheit werden mittlerweile in zwei Autos auf dem Hof vor der Einrichtung untersucht: "Wer keinen Infekt hat, darf hoch, aber im Wartezimmer können maximal drei Personen sitzen." In geringem Umfang könne die Ambulanz sogar Patienten auf eine Coronavirus-Infektion testen.

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