Deutschland hat Treibausgasausstoß 2019 weiter gesenkt

Deutschland hat Treibausgasausstoß 2019 weiter gesenkt
Während die ganze Welt auf die Corona-Pandemie reagiert, erinnert Umweltministerin Schulze an eine andere Bedrohung. Der Klimawandel gehe nicht einfach weg, sagt die SPD-Politikerin, als sie die aktuelle deutsche Treibhausgas-Bilanz vorstellt.

Deutschland hat den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im vergangenen Jahr weiter reduzieren können. Wie Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bei der Vorstellung der deutschen Klimabilanz 2019 am Montag in Berlin sagte, gingen die CO2-Emissionen um 6,3 Prozent zurück. Demnach wurden insgesamt rund 805 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt, etwa 54 Millionen Tonnen weniger als 2018. Mit Ausnahme des globalen Krisenjahres 2009 sei dies der größte jährliche Rückgang seit 1990 - und das bei wirtschaftlichem Wachstum, betonte Schulze.

Im Vergleich zu 1990 sanken laut der vorläufigen Bilanz des Umweltbundesamtes die Emissionen um 35,7 Prozent. Deutschland hat als selbstgestecktes Klimaziel für 2020 eine Reduktion von 40 Prozent. Bislang ging die Regierung nicht davon aus, dass dieser Wert noch erreicht werden kann. Bis 2030 sollen indes 55 Prozent Minderung erreicht werden. Bei diesem Ziel ist der Druck auf Deutschland größer als bisher. Denn mit dem neuen Klimaschutzgesetz wurde der Pfad der Treibhausgassenkung für die kommenden zehn Jahren verbindlich gemacht. Außerdem kommen nun auch EU-rechtliche Vorgaben zur CO2-Minderung hinzu: Wenn Deutschland diese nicht erfüllt, drohen Strafzahlungen.

Schulze zeigte sich zuversichtlich. Die Bundesrepublik habe 2019 "einen großen Schritt beim Klimaschutz geschafft", sagte sie. Das hänge insbesondere mit Fortschritten in der Energiewirtschaft zusammen: Dort sei 16,7 Prozent weniger CO2 ausgestoßen worden als 2018. Als Gründe dafür nannte die Ministerin den Umstieg von Braunkohle auf Gas, die niedrigen Gaspreise sowie den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, resümierte: "Deutschland bewegt sich in die richtige Richtung hin zum Klimaziel 2030." Doch dürfe man sich vor allem bei den erneuerbaren Energien nicht "auf den Lorbeeren der letzten 20 Jahre ausruhen". Mit Blick auf den aktuellen politischen Streit über Abstände von Windrädern zu Siedlungen betonte er: "Wir müssen wieder deutlich mehr Windenergieanlagen installieren, daran führt kein Weg vorbei, um Kohlestrom zu ersetzen, der vom Netz geht."

Als "Sorgenkind" bezeichnete Messner indes den Verkehrsbereich. Hier liegen die Emissionen den Angaben nach sogar auf einem leicht höheren Niveau als im Vorjahr (plus 0,7 Prozent). So würden zwar Motoren effizienter, doch Fahrzeuge auch schwerer. In dem Zusammenhang sprach er vom "SUV-Effekt". Es gebe ferner mehr Fahrzeuge und mehr gefahrene Kilometer. Der Behördenchef wies darauf hin, dass sich bei einem Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde Treibhausgase in großer Menge kostengünstig reduzieren ließen.

Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Olaf Bandt, kritisierte in dem Zusammenhang den "beratungsresistenten Verkehrsminister" Andreas Scheuer (CSU). Mit ihm werde Deutschland "die notwendige Mobilitätswende verschlafen", sagte er.

Die Corona-Pandemie hat nach Aussage von Schulze auf den Klimaschutz keinen langfristigen Effekt. Die derzeitige Lage sei ein "absoluter Ausnahmezustand", betonte sie. Es helfe im Kampf gegen die Erderwärmung nicht, wenn in diesem Jahr die Emissionen zurückgingen und im kommenden Jahr wieder stiegen. Auch wenn das Engagement gegen das Coronavirus derzeit absolute Priorität habe, blieben daher Maßnahmen gegen die Klimakrise wichtig. Der Klimawandel sei ebenfalls bedrohlich und "geht nicht einfach weg".

Messner ging im Zusammenhang mit den aktuellen Reisebeschränkungen ebenfalls von einem "Einmaleffekt" bei den Treibhausgasen aus. "Nach der Krise sind diese Emissionen wieder da", betonte er und schlug daher vor, den angeschlagenen Branchen mit grünen Konjunkturpaketen unter die Arme zu greifen. Er könne sich vorstellen, dass die Gesellschaft derzeit eine größere Sensibilität dafür entwickele, dass es Dinge gebe, die die Welt in ihren Grundfesten erschüttern könnten. Dazu gehöre auch der Klimawandel.

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